Ein weihnachtlicher Lokführer

von Redaktion

Das Weihnachtsmannkostüm hat Thomas Birk schon Probe getragen. © privat

Im Früherstand der S-Bahn sitzt Thomas Birk liebend gerne. Morgen will er dabei ein Weihnachtsmann-Kostüm tragen. © Markus Götzfried

München/Petershausen – Dieses Jahr freut sich Thomas Birk ganz besonders auf Weihnachten. Denn er muss arbeiten. Für andere eine schlechte Nachricht, für den 49-jährigen Lokführer ein echter Glücksfall. Denn er hat etwas sehr Weihnachtliches vor.

Birk ist 2,17 Meter groß und der größte Mitarbeiter der S-Bahn München. Er war der Einzige, dem das etwas zu groß geratene Weihnachtsmann-Kostüm passte, das für die Weihnachtsfeier angeschafft worden war. So kam er spontan an eine neue Zusatzaufgabe – und war gleich in seinem Element. Nicht nur bei seinen Kollegen kam er als Weihnachtsmann gut an, sondern auch bei den Kindern, die am Ostbahnhof unterwegs waren. Die mussten zwar noch ein paar Zentimeter mehr nach oben schauen, aber Birk konnte ihnen die Angst schnell nehmen.

Dann kam der Dienstplan für Heiligabend. Er ist für die Frühschicht von 5 Uhr bis 14.30 Uhr auf der S-Bahn-Linie 3 eingeteilt. Er wird also den halben Tag zwischen Mammendorf und Holzkirchen hin- und herfahren. Es ist nicht sein erster Weihnachtsdienst, erzählt er. Deshalb weiß er ungefähr, was ihn erwartet. Am Vormittag wird er viele hektische Menschen in der Bahn haben, einige Last-Minute-Geschenkejäger werden dabei sein, viele, die letzte Besorgungen machen. Am frühen Nachmittag wird sich die Stimmung dann komplett ändern. Es wird ruhiger – und weihnachtlicher. Er wird Menschen zu ihren Familien fahren. Und für alle, die an diesem Tag noch nicht wirklich in Weihnachtsstimmung sind, hat er sich dieses Jahr etwas überlegt. „Ich werde die ganze Schicht lang mein Weihnachtsmann-Kostüm tragen“, verrät er. An den Bahnhöfen wird er sich noch etwas weiter als sonst aus seinem Fenster lehnen, um zu prüfen, ob die Türen frei sind. Sicher wird dann Zeit für ein Weihnachtsmann-Lächeln sein. Und immer, wenn ein Richtungswechsel ansteht und Birk einmal entlang seiner S-Bahn den ganzen Bahnsteig ablaufen muss, wird er einen Sack mit Geschenken dabeihaben. „Für die Kinder, aber auch für erwachsene Fahrgäste“, sagt er und schmunzelt. Er ahnt es schon, es könnte einer seiner Lieblingsarbeitstage in diesem Jahr werden.

Birk ist aber auch leidenschaftlich gerne Lokführer, wenn grade nicht Heiligabend ist. Bei der Deutschen Bahn arbeitet er seit 30 Jahren. Erst bei der DB Sicherheit, erzählt er. „Seit 2008 fahre ich S-Bahnen.“ Kommt nicht selten vor, dass er sich dafür den Wecker auf 3 Uhr morgens stellen muss. Er wohnt in Petershausen im Landkreis Dachau und hat eine weite Anfahrt nach München. Aber spätestens, wenn er dann am Steuer der Bahn sitzt – und das mit deutlich mehr Beinfreiheit, als ein 2,17 Meter großer Mann in den meisten Autos hat – und die Sonne aufgehen sieht, denkt er sich manchmal, dass er den schönsten Beruf der Welt hat. „Das Licht am Morgen ist etwas ganz Besonderes – und ich bekomme dazu noch einen Panoramablick.“ Vielleicht wird er am 24. dazu sogar ein bisschen Schnee bekommen. Das wäre dann sein Weihnachtsgeschenk, sagt er.

Natürlich muss ein Lokführer auch viel aushalten. Gerade die letzten Wochen, als die Fahrgäste unter den vielen Baumaßnahmen und ausfallenden S-Bahnen litten. Den Ärger hat er sich geduldig angehört. Umso schöner findet er jetzt die Idee, zumindest einigen Fahrgästen am Weihnachtstag eine kleine Freude machen zu können. „An solchen Tagen erleben wir Lokführer auch viel Dankbarkeit“, sagt er. Manchmal wird Schokolade geschenkt. Manchmal hört er von den Fahrgästen ein Danke dafür, dass er an diesem Tag arbeitet. Und wenn er am frühen Nachmittag in sein Auto steigen wird, um zurück nach Petershausen zu fahren, werden ihm viele Menschen frohe Weihnachten gewünscht haben, da ist er sicher. Die Heimfahrt wird Thomas Birk übrigens auch in seinem Weihnachtsmann-Kostüm antreten. „Das kommt vielleicht auch auf der Autobahn gut an.“

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