DAS PORTRÄT

Eine Landwirtin geht neue Wege

von Redaktion

Stefanie Seitz mit Kuh Kate. © icb

Wenn Stefanie Seitz über die Wiese läuft und einen Eimer mit Kraftfutter dabeihat, traben ihr die Jungrinder meistens schon entgegen. Die 26-Jährige ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen. Heute ist sie Designerin und Chefin im Hofladen. Und sie macht auf dem Seitz-Hof am Rande Baierbrunns (Kreis München) einiges anders. Dort leben 20 Schweine und 135 Rinder, darunter 60 Milchkühe. Und auch Stierkälber. „Wir lassen sie kastrieren und behalten sie als Ochsen auf dem Hof“, erklärt sie. Zum Hof gehört ein eigenes EU-zertifiziertes Schlachthaus. Dort schlachten zwei Metzger. „Zwei Rinder und drei Schweine pro Monat – fachgerecht und stressfrei.“ Die Produkte landen im Hofladen. „Unsere Kunden schätzen, dass wir alles verwerten – von der Nase bis zum Schwanz.“ Im Hofladen finden die Kunden auch selbst gemachte Rinderkraftbrühe, Bolognese im Glas, Marmelade und Bauernbrot von Stefanies Großmutter Anna.

Die 26-Jährige kennt ihre Tiere gut – mit all ihren Eigenarten. Die Jungtiere dürfen Sommerurlaub auf der Alm am Taubenstein machen, wo sie robust werden. Gerne würde Seitz auch Milchprodukte herstellen. Die nötige Rohmilch hätte sie ja, aber sie bräuchte auch eine Molkerei-Zulassung. Und die ist mit hohen Auflagen verbunden. Stattdessen kommt ein österreichischer Käser mit seinem Käsemobil auf den Hof, verarbeitet die Milch zu Käse – und der landet dann im Hofladen. Wer möchte, bekommt dort auch einen Cappuccino, den er mit Blick auf die weiten Wiesen genießen kann. Regelmäßig führt Stefanie Seitz auch Schulklassen über den Hof und gibt Einblicke auf Instagram. „Viele Jüngere wollen wissen, woher ihr Essen kommt“, sagt sie. Und die Idylle soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Arbeit hart ist und der Tagesablauf eng getaktet. Ein Job für die ganze Familie. Schon ihr Opa war als Landwirt ein Pionier. „Er war einer der ersten Biobauern hier und hat den Naturland-Verband mitgegründet“, erzählt sie. Und auch ihr werden die neuen Ideen nicht ausgehen. CHARLOTTE BORST

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