Abschiebungen werden von der Bundespolizei durchgeführt – aber nicht zwingend auch organisiert. © Michael Kappeler/dpa
München – Bayern will deutlich mehr abschieben. Dafür sucht der Freistaat aktuell nach einer Art Reisebüro, das bei den „Rückführungen“ von Ausländern hilft. Das zeigen Ausschreibungsunterlagen, die unserer Redaktion vorliegen.
Darin sucht das Bayerische Landesamt für Asyl und Rückführungen (LfAR) zum 1. März 2026 Auftragnehmer, die „Rückführungsmaßnahmen auf dem Luftweg sowie teilweise auch auf dem See- oder Landweg“ organisieren. Und zwar für „Ausländer, die vollziehbar ausreisepflichtig sind“ oder „für Familien, (Teil-)Familien oder Gruppen“.
Die Ausschreibung zeigt auch, mit wie vielen Abschiebungen das Landesamt in den nächsten Jahren rechnet. „Zurzeit wird davon ausgegangen, dass jährlich ca. 3000 Buchungsvorgänge anfallen werden“, heißt es in den Papieren. Der Rahmenvertrag beinhaltet maximal 24 000 Buchungen, so die Bedingungen.
Laut dem LfAR wurden 2024 im Zeitraum Januar bis Oktober „über 2000“ Abschiebungen auf diesem Weg organisiert. Man gehe „derzeit von einer weiteren Steigerung für das Jahr 2026 aus“, heißt es weiter in den Unterlagen – eben die genannten 3000 Rückführungen pro Jahr. Das sind nicht alle Abschiebungen. Viele werden auch direkt von Behörden wie der Bundespolizei organisiert. Laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wurden in den ersten elf Monaten dieses Jahres insgesamt 3413 Abschiebungen in Bayern vollzogen – rund 24 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2024 (3010 Abschiebungen). Die neue Stelle soll „optimale und kostengünstige Verkehrsverbindungen“ heraussuchen, organisieren und buchen, heißt es in den Papieren – und zwar so günstig wie möglich. Tickets sollen „grundsätzlich in der Economy-Class“ gebucht werden. Gegebenenfalls soll es auch Hotels für Begleitpersonen wie zum Beispiel Ärzte organisieren.
Bei den Buchungen soll die Stelle, die die Rückführungen organisiert, vor allem auf günstige Storno- und Umbuchungsbedingungen achten: „Es ist zu berücksichtigen, dass über 70 % der Flüge, die über Reisebüros gebucht wurden, storniert oder umgebucht werden müssen“, heißt es. Die Gründe: Oftmals sind ausreisepflichtige Ausländer nicht auffindbar oder haben medizinische Probleme.
Stornierungen träten „meist sehr kurzfristig ein“, heißt es in der Ausschreibung – also „weniger als 24 Stunden vor Abflug“. Darauf solle man schon früh achten, „um Folgekosten zu minimieren“. Wenn möglich, sollen deshalb „Buchungen auch ohne Namensnennung (sogenannte no-name-Buchungen)“ bevorzugt werden.THOMAS GAUTIER