DAS PORTRÄT

Als Ärztin im Gefängnis in Uganda

von Redaktion

Anna Ertl aus Oberhaching mit Kindern in Uganda.

Zuerst war Anna Ertl schon etwas mulmig. Sie stand an der Gefängnispforte, musste alle Wertsachen und ihren Reisepass abgeben. „Aber ich hatte das Vertrauen, dass das schon gut gehen wird“, sagt sie heute. Als sie mit den Häftlingen redete, merkte sie aber: „Das sind Menschen wie du und ich.“ Die 36-jährige Oberhachingerin ist mit der Hilfsorganisation Humedica nach Uganda gereist: „Ich lebe ein so privilegiertes Leben und ich habe das Bedürfnis, etwas zurückzugeben. Das ist meine Strategie, um mit Weltschmerz umzugehen.“ Ertl hat bereits Hilfseinsätze in Tansania, Nepal, im Kosovo und in der Türkei mitgemacht. In Uganda müssten sich die Häftlinge selbst um ihre medizinische Versorgung kümmern – oft fehlen dazu die Mittel. „Sie werden von der Gesellschaft vergessen“, sagt Ertl. In den Gefängnissen breiten sich Krankheiten, die es vor 200 Jahren gab, schnell aus. Trotz der harten Bedingungen hat Ertl die Gefängnisse als friedliche Orte erlebt, sagt sie. „Die Wachen tragen oft keine Waffen. Wenn es Konflikte gibt, wird gesprochen.“ In einem Frauengefängnis wachsen auch viele Kinder auf, die bei ihren Müttern bleiben sollen. Dort bekamen Ertl und ihr Team sogar eine Tanzstunde. „Die geben die Hoffnung nicht auf, dass sie ein besseres Leben führen werden, wenn sie das durchstehen.“ Viele Häftlinge würden unter Magenschleimhautentzündung oder Zahnschmerzen leiden. Eine Zahnärztin musste vielen verfaulte Zähne ziehen. Eine Herausforderung ohne die technischen Mittel, die es in Deutschland gibt. Die Dankbarkeit der Menschen war für Ertl die schönste Motivation. Eine Wertschätzung, die es in Deutschland so nicht gebe. Ertl weiß, dass sie vielen Menschen, die in Uganda unter chronischen Schmerzen leiden, nur helfen konnte, bis jene Schmerzmittel irgendwann aufgebraucht seien. „Humanitäre Hilfe muss einen höheren Stellenwert haben.“ ANTONIA KRINNINGER

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