Stolze Sammlung: Quiz-Meister Kevin Holtmann mit seinen Pokalen. © Markus Götzfried
Mit „Wer wird Millionär?“ fing der Rate-Spaß an. Heute ist Kevin Holtmann nicht nur ein wandelndes Lexikon und der Schreck bei jedem Spieleabend, sondern seit Kurzem auch bayerischer Quiz-Meister. Mittlerweile lassen den 38-jährigen Grundschullehrer sogar seine eigenen Schüler knobeln.
Herr Holtmann, hat man als bayerischer Quiz-Meister und wandelndes Lexikon im Freundeskreis den Ruf des Klugscheißers?
Also beim gemeinsamen Spieleabend haben die Leute jedenfalls keine große Lust mehr auf ‚Trivial Pursuit‘ (lacht). Das klingt ein bisschen arrogant, aber ich verstehe das auch, wenn der Ausgang fast immer klar ist. Dann spielt man lieber etwas anderes.
Wie wird man denn bayerischer Quiz-Meister?
Man muss bei der Meisterschaft, die der Deutsche Quiz-Verein organisiert, 120 Fragen aus zehn verschiedenen Kategorien beantworten. Die Fragen sind offen, es werden keine Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Und dann ist es ganz einfach: Wer am meisten weiß, gewinnt.
Wie viel haben Sie gewusst?
95 von 120 Fragen hatte ich richtig. Der Zweitplatzierte hatte 88. Es war die neunte bayerische Quiz-Meisterschaft, ich war das sechste Mal dabei. Ich war einmal Dritter und dreimal Zweiter. Deswegen war meine Motivation entsprechend groß, diesmal etwas zu reißen. Insgesamt sind im Einzel 70 Personen angetreten. Mitmachen kann jeder, der in Bayern lebt oder hier geboren ist. Es gibt für jedes Bundesland Regional-Meisterschaften, man darf nur bei einer davon antreten.
Was für Leute sind das, die sich da um die vorderen Plätze duellieren?
Uni-Mitarbeiter, Ärzte, Anwälte, viele Lehrer. Also oft Leute, die es im Beruf gewohnt sind, irgendwie Recht zu haben. Auch Journalisten übrigens. Der Männeranteil ist hoch. Es gibt einige sehr gute Frauen, aber ein gewisser Gender-Gap ist leider schon vorhanden.
Wie bereiten Sie sich auf eine Meisterschaft vor?
Ich schaue, was im vergangenen Jahr in Bayern so los war. Wie heißen unsere Minister? Auch bei Kurfürsten und Königen sollte man sattelfest sein. So etwas kann man gut vorbereiten. Aber die Fragen sind nicht rein bayerisch. Deswegen gehe ich mit offenen Augen durch die Welt. Immer, wenn mir irgendwo ein interessanter Fakt unterkommt, mache ich mir eine Notiz am Handy. Ich habe eine App, da stelle ich mir die Fragen ein, um sie später zu wiederholen.
Was für Notizen sind das?
Als ich letztens in der Schule das Oktoberfest durchgenommen habe, bin ich zum Beispiel darauf gestoßen, dass ein gewisser Andreas Michael Dall‘Armi das Fest für Ludwig I. ausgetragen hat. Fand ich interessant, habe ich gleich notiert. Oder kürzlich habe ich vom sogenannten Big-Mac-Index gelesen, der die Kaufkraft verschiedener Staaten anhand des dortigen Burgerpreises beschreibt. Auch notiert. Man weiß ja nie, was für Fragen kommen.
Sie unterrichten an einer Münchner Grundschule. Werden die Proben da auch in Quizform gestellt?
Das nicht, aber die Kinder wissen von meinem Hobby. Einige haben mich bei „Gefragt – Gejagt“ im Fernsehen gesehen, als wir im Team gegen den sogenannten Jäger gewonnen haben. Heuer haben sie mir einen Quiz-Adventskalender gemacht – eine Frage von jedem Kind.
Und, alles gewusst?
Nein. Wie hoch ein Basketballkorb hängt, konnte ich noch sagen. Aber gescheitert bin ich an der Frage: Wenn man eine Katze in einen Pool wirft, wie kommt sie dann wieder raus? Nass – war die Antwort. Da bin ich wohl zu rational rangegangen (lacht).
Schon mal bei „Wer wird Millionär?“ beworben?
Klar, schließlich ist durch diese Show meine Begeisterung fürs Quizzen als Kind überhaupt erst entstanden. Erst dadurch bin ich über diverse Pub- und Kneipen-Quizze zum Quiz-Verein gekommen. Aber bei „Wer wird Millionär?“ ist es relativ schwierig reinzukommen. Bisher hatte ich noch kein Glück, sie trauen sich wohl nicht, mich einzuladen. Neben „Gefragt – Gejagt“ war ich beim „Quiz-Champion“ im ZDF in der Kandidatenauswahl. Ich stand schon verkabelt hinter der Bühne, aber mit einem Auftritt hat‘s dann doch nicht geklappt.
In welchen Themengebieten sind Sie unschlagbar? Und wo gibt‘s noch Lücken?
Bei Musik und Literatur bin ich am stärksten. An der Tier- und Pflanzenwelt verzweifle ich dafür häufiger. Aber manchmal hilft die Logik. Kürzlich hatte ich die Frage: Welches Element folgt im Periodensystem der Elemente auf Uran und Neptunium? Ich kann das Periodensystem natürlich nicht auswendig. Aber ich habe mir mit den Planeten beholfen. Und tatsächlich war es Plutonium. Das Schlimmste sind aber nicht die Fragen, bei denen man keine Ahnung hat. Viel nerviger ist es, wenn man die Antwort eigentlich kennt – aber sie einem einfach nicht einfällt.
Das passiert sogar dem bayerischen Quiz-Meister?
Leider gar nicht mal so selten.