KOLUMNE

Das hat Einstein gesagt!

von Redaktion

Kürzlich stieß ich auf ein Buch, das ich mir sofort bestellt habe. Es ist von dem leider bereits verstorbenen österreichischen Autor Gerald Krieghofer. Er war ein Karl-Kraus-Experte, was mich schon mal sehr für den gebürtigen Wiener einnimmt. Dazu Philosoph und Literaturwissenschaftler. Und präziser wie launiger Zitatenforscher! Gerald Krieghofer hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, falsche Zitate zu enttarnen. Also herauszufinden und zu benennen, wer was wirklich gesagt hat und was nicht. Obendrein hat er zeitlose Tipps gegeben, wie man solche „Kuckuckszitate“ selber überprüfen kann. Ein Faktenchecker, wie man heute sagt.

Erstaunlich, wie viel erfundene oder verkehrt zugeschriebene Sentenzen kursieren – im Internet, in politischen oder privaten Reden, in Artikeln, auf Grabsteinen, Todesanzeigen und T-Shirts. Warum werden Zitate erfunden, verdreht oder einer Person zugeschrieben, die damit nichts zu schaffen hat? Krieghofer nannte Gedächtnisirrtum, Wunschdenken und Versehen als Grund. Die meisten Falsch-Zitate gibt es nach seiner Recherche von Einstein und Churchill. Aber auch Konfuzius und Voltaire sind gut im Rennen. Auf jeden Fall ist Vorsicht geboten bei der unbedachten Weitergabe von Worten – von wem auch immer sie stammen sollen.

Gerald Krieghofer, der sich gerne immer mal wieder als Sherlock Holmes der Sprachforschung gefühlt hat – nur „für fünf Minuten“, wie er selber sagte –, hat den Wert der Wahrheit betont. Es ist eben nicht egal, ob man den richtigen oder falschen Urheber eines Zitates angibt und damit unredlich ist. Arg wird es auch, wenn man die eigene Autorität mit der eines anerkannten Wissenschaftlers, Philosophen oder Politikers untermauert und damit die Diskussion für beendet erklärt. Wer so das eigene Ansehen heben möchte, tut sich selbst und einer ehrlichen Diskussion keinen Gefallen.

Krieghofer lehrt einen, sorgfältig im Umgang mit Worten zu sein. Ich habe deshalb nachgeforscht und wage es, Sokrates zu zitieren. Als kommunikatives Motto für das neue Jahr – in einer Zeit, in der schwadroniert wird, was das Zeug hält und sich auch politische Prominenz nicht zu schade ist, Unwahrheiten en masse in die Welt zu schleudern. Sokrates hat gesagt, dass alles, was wir anderen mitteilen, durch drei Siebe gegangen sein muss. Durch das Sieb der Wahrheit, der Nützlichkeit und der Güte. Ich werde mich bemühen, zumal in dieser Kolumne, dem Athener und einem Wiener nachzueifern. Kann in diesem Fall nicht falsch sein.

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