„Dünnes Eis“: Viele Menschen tummeln sich am Freitag auf dem Nymphenburger Kanal trotz Hinweisschildern. © Haag
Großer Andrang: Auf dem Hintersee bei Ramsau im Berchtesgadener Land ist die Eis-Begeisterung der Menschen kaum zu bremsen. © 7aktuell.de | Ferdinand Dörfler
München – Es ist ein Winterwunderland wie aus dem Bilderbuch: Weiß angezuckert, von einer tragenden Eisschicht überzogen und von Schlittschuhfahrern und Eishockeyspielern bevölkert – so präsentiert sich der bei Einheimischen und Touristen gleichsam beliebte Hintersee nahe dem Bergsteigerdorf Ramsau im Berchtesgadener Land in den vergangenen Tagen.
Auch am Eibsee unterhalb der Zugspitze ist das azurblaue Wasser unter einer trüben Eisschicht verschwunden. Was Winterromantiker begeistert, versetzt jedoch nicht jeden in Ekstase. Manch einer bekommt beim Anblick des weitgehend zugefrorenen Bergsees leichte Bauchschmerzen. Sandro Leitner, Vorsitzender der Wasserwacht in Grainau, ist einer von ihnen. Denn der 38-Jährige kennt die Gefahren, die auf dem Eibsee lauern, ebenso gut wie die oftmals unbelehrbaren Touristen, die sich zu jeder Jahreszeit auf und um den beliebten See im Kreis Garmisch-Partenkirchen tummeln.
Eisdicke schwer einzuschätzen
„Ich würde nicht drauf gehen, so dick kann’s noch nicht sein“, sagt der Wasserwachtler und verweist auf die letzten Dezemberwochen. Noch vor einigen Tagen sei der See eisfrei gewesen, erinnert sich Leitner. Dennoch hat er schon die ersten Wagemutigen auf dem Eis beobachtet. „Es ist dasselbe wie letztes Jahr“, sagt der 38-Jährige seufzend. Bei dem Rettungseinsatz im März 2025, bei dem eine Gruppe bestehend aus 16 indischen Touristen durch das Eis gebrochen war, im Anschluss aber gerettet werden konnte, war auch Leitner vor Ort.
Ein Betretungsverbot wird die Wasserwacht allerdings nicht aussprechen, verrät Manuel Achtner, Technischer Leiter beim BRK-Kreisverband im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Er weiß auch um den Zustand der übrigen Bergseen im Werdenfelser Land. „Zugefroren“, erklärt Achtner kurz und bündig. Einsätze wegen Einbrüchen in das Eis gab es hier bisher noch keine. „Wir bekommen es natürlich nicht mit, wenn jemand einbricht und selbst wieder rauskommt“, stellt er klar. Wie dick die Eisschichten aktuell sind, weiß Achtner nicht. Von See zu See seien die Verhältnisse unterschiedlich. Das gilt auch für andere Gewässer im bayerischen Alpenraum wie den Kirchsee im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen oder den Spitzingsee im Landkreis Miesbach, die teilweise zugefroren sind. „Das kann sich jeden Tag ändern“, erklärt Achtner – und vertraut im Hinblick auf das letzte Ferienwochenende, das Temperaturen im zweistelligen Minusbereich mit sich bringen soll, auf den gesunden Menschenverstand.
Auf den hofft auch Sandro Leitner. Doch der Werdenfelser weiß, wie viele Urlauber ticken: „Die marschieren überall hin“, sagt er seufzend. Ein Gespür, ob das Eis bereits dick genug sei, fehle vielen. Zwei kleinere Einsätze am Uferbereich hätte es schon am Donnerstag gegeben. Prophylaktisch patrouillieren werde die Wasserwacht am Ufer des Eibsees aber nicht, so Leitner. Die Hütte der Wasserwacht sei nicht beheizt – und das wolle er den Kameraden, die ehrenamtlich arbeiten, bei minus 15 Grad nicht zumuten.FLORIAN ZERHOCH