INTERVIEW

„Es wird ein schwieriges Bahnjahr“

von Redaktion

Experte Norbert Moy erklärt die Baustellen, Sperrungen und Umleitungen 2026

Pendelt täglich von Weilheim aus nach München: Norbert Moy. © Marcus Schlaf

Baustellen gab es hier zuletzt zuhauf: Ein Regionalzug der Werdenfelsbahn bei Farchant. © Uwe Miethe/DB

Was bringt das Bahnjahr 2026? Norbert Moy (60), Bezirkschef von Pro Bahn in Oberbayern, ist pessimistisch. Der Entwicklungsingenieur bei Siemens Mobility umreißt im Interview die vielen Probleme, die auf die Pendler zukommen werden.

Herr Moy, 2025 war ja nicht berauschend für die Bahnfahrer im Raum München, gerade bei der S-Bahn. Wird es 2026 denn besser?

Leider nein. Das wird ein deutlich schwierigeres Bahnjahr.

Warum?

Hauptproblem sind die vielen Sanierungen. Das wird den Bahnverkehr ins Allgäu beeinträchtigen. Ein weiteres Thema ist die Generalsanierung Nürnberg–Passau, die Auswirkungen auf die Strecken in Oberbayern hat.

Was steht auf den Allgäu-Strecken an?

Ab 7. Februar gibt es hier Einschränkungen, weil Langsamfahrstellen saniert werden. Einige Züge, nicht alle, enden und beginnen künftig in Pasing, etwa der RB 74 München–Buchloe. Da gibt es verschiedene Szenearien: Wenn zum Beispiel ein Allgäu-Zug verspätet in Pasing eintrifft, kann es passieren, dass der eigentlich zu dieser Uhrzeit vorgesehene Zug aus dem Werdenfels dann mit der Einfahrt warten muss. Ohnehin verschieben sich übrigens die Abfahrtszeiten verschiedener Regionalzüge, auch wenn sie nicht ins Allgäu fahren. Zum Beispiel fahren die Werdenfelszüge teils einige Minuten früher am Münchner Hauptbahnhof ab. Alle Pendler müssen dringend in die Fahrpläne schauen.

Was erwartet uns bei der S-Bahn?

Am gravierendsten ist wohl der Abriss des Bahnsteigs für Gleis 2/3 in Laim. Ab Mitte des Jahres werden die meisten S-Bahnen, die aus Pasing stadteinwärts fahren, nicht mehr in Laim halten können. Da hätte man früher wohl einen Behelfsbahnsteig errichtet, jetzt ist das leider nicht mehr üblich. Die S-Bahn muss wirklich aufpassen, dass sie ihre treuen Fahrgäste nicht vergrault durch solche Maßnahmen. Denn es kommen ja auch 2026 Wochenend- und Nachtsperrungen dazu, in einer Fülle, die selbst Bahnenthusiasten nicht mehr nachvollziehen können.

Vermissen Sie Unterstützung aus der Politik?

Ja. Das S-Bahn-System muss stabil gehalten werden, da muss die bayerische Verkehrspolitik doch allererstes Interesse daran haben. Stattdessen gibt es immer nur dieses Heilsversprechen, dass mit der 2. Stammstrecke alles besser wird. Das sehen wir eh nicht so – wir von Pro Bahn haben für den Ausbau des Südrings plädiert. Aber definitiv lag die Politik falsch, als sie den Leuten versprach, der Bau der 2. Stammstrecke sei auch deshalb besser, weil er den bestehenden Bahnverkehr nur wenig beeinträchtige. Das ist definitiv nicht so.

Sie erwähnten die Generalsanierung Nürnberg–Passau. Was kommt da auf uns zu?

Ab 6. Februar ist diese Strecke abschnittsweise bis Dezember gesperrt. Es handelt sich immerhin um eine Hauptabfuhrstrecke für den internationalen Güterverkehr, der nun auch über Oberbayern umgeleitet wird. Daher wiederum muss der Nahverkehr ausgedünnt werden. Die Folge ist zum Beispiel, dass an der Strecke München–Rosenheim die Bahnhöfe Aßling, Ostermünchen und Großkarolinenfeld ab 14. Juni nur noch zweistündlich angefahren werden. Züge auf der Strecke Mühldorf–Salzburg wiederum enden in Freilassing. Züge der Südostbayernbahn aus Mühldorf enden am Ostbahnhof, um den Südring zu entlasten. Auch Landshut–Plattling und die Donautalbahn Regensburg–Donauwörth sind je nach Bauphase stark betroffen. Ob die Ersatzfahrpläne wirklich funktionieren, wird sich zeigen.

Und der RE 1 München–Nürnberg?

Er wird Montag bis Freitag leider auf einen Zwei-Stunden-Takt ausgedünnt. Wir befürchten Überfüllung. Die Züge können ja nicht verlängert werden, da die Bahnsteige einiger Unterwegshalte, etwa die in Kinding, zu kurz sind.

Gibt es auch Positives?

Ja. Die MVV-Erweiterung nach Garmisch, Landshut und Mühldorf ist ein echter Fortschritt. Die Personalsituation der Busunternehmen hat sich entspannt, sodass wenigstens der Ersatzverkehr funktionieren dürfte. Die Ammerseebahn ist nach zwei Jahren saniert, wenn auch die Leit- und Sicherungstechnik die alte geblieben ist. Und wir begrüßen natürlich, dass das Deutschlandticket langfristig gesichert ist, auch wenn es jetzt teurer geworden ist. Es ist ein echter Bringer, hat definitiv Leute zum Umstieg auf Bus und Bahn animiert.

Wenn Sie Bahnchef wären, was wäre die erste Maßnahme?

Ach ja, die neue Bahnchefin. Ich glaube, dass sie die richtigen Ansätze hat und den Laden reformiert. Aber es ist mehr notwendig als nur eine Agenda für zufriedene Kunden, die nur auf Sicherheit und Bordgastronomie blickt. Wir brauchen Verlässlichkeit im Bahnsystem. Und mehr Ehrlichkeit statt der dauernden Versprechungen. Aber zur Wahrheit gehört: Die eine große Maßnahme, nach der dann alles besser würde, die gibt es nicht.

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