Am Gspraiter Weiher treffen sich die Ebersberger zum Eisstockschießen. © Rossmann
Das Wasserschöpfrad im oberfränkischen Ebermannstadt ist mit Eis überzogen. © dpa
Freigeschaufelte Flächen: Auf dem Spitzingsee im Kreis Miesbach tummeln sich Schlittschuhläufer und Hobby-Eishackler. © Peter Kneffel/dpa
Spitzingsee/Grainau – Väterchen Frost hat Bayern glasiert. Im oberfränkischen Kreis Forchheim steht das Wasserschöpfrad in Ebermannstadt jetzt gänzlich still. Die kleine Wiesent schafft es nicht mehr, es zu drehen. So fest in Eis ist das Rad gehüllt. Bei minus sechs Grad dürfte die Eisskulptur dort noch etwas halten. Ansonsten locken die Seen überall zum Schlittschuhlaufen und Eishockeyspiel. Blickt man von oben auf den Spitzingsee im Kreis Miesbach oder den Kirchsee im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen, erkennt man lustige Muster aus kleinen Kacheln. Dort ist die Eisfläche mühevoll freigelegt. Freilich, damit die Kufen oder auch, wie am Gspraiter Weiher zwischen Ebersberg und Grafing, der Eisstock besser gleitet.
Eigentlich sind es ja etwas mildere Luftmassen aus dem nördlichen Atlantik, die derzeit bei uns das Wetter bestimmen. Doch sie hatten sich in polaren Breiten abgekühlt, bevor sie zu uns gelangten. Diese Polarluft führt nun besonders in Kombination mit Schnee und wolkenlosem Himmel zu zweistelligen Minusgraden. Im Allgäu wurden in der Nacht zu Montag in Oberstdorf minus 21,3 Grad gemessen und in Kempten minus 17,6 Grad.
Auch am Funtensee auf 1600 Metern im Berchtesgadener Land beißt die Kälte wieder. An Heiligabend 2001 hatte dort eine private Wetterstation einst minus 45,9 Grad gemessen – den historischen Tiefstwert Deutschlands. Der DWD hatte dort ein Jahr zuvor 45,8 Grad gemessen. Aktuell herrschen hier aber trotz der geografisch einzigartigen Lage „nur“ um die minus 15 Grad. Da können viele Orte am Alpenrand derzeit locker mithalten.
Auf der Zugspitze wurden gestern Nacht minus 21 Grad erwartet und am Spitzingsee minus 13 Grad. Wie kalt minus 13 Grad sind, mussten am Montagabend 44 niederländische Reisende auf der A9 bei Stammham im Kreis Eichstätt am eigenen Leib erfahren. Nach einer Technikpanne war ihr Bus liegen geblieben. Während er die Fahrbahn über mehrere Stunden blockierte, beförderte die Feuerwehr die Menschen in eine Raststätte, damit sie sich aufwärmen konnten. Die Fahrtrichtung Nürnberg konnte erst nach vier Stunden wieder freigegeben werden.
Auf Schienen läuft der Verkehr trotz Minusgrade erstaunlich robust. Ein Faktor ist, dass mittlerweile alle Weichen mit zumeist elektrischen Heizungen ausgestattet sind. Lediglich an der S4 Geltendorf–Pasing und im Raum Allgäu Buchloe–Kempten–Oberstdorf sowie bei Agilis in Oberfranken gab es witterungsbedingte Störungen. Schwieriger ist die Lage in Norddeutschland. Für Niedersachsen, Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein warnte die DB vor Verspätungen und Zugausfällen wegen vereister Fahrzeuge und generell wegen Eis und Schnee.
Und es soll kalt im Freistaat bleiben, nachts und in höheren Lagen sind minus 17 Grad möglich. Eine kurze Unterbrechung zeichnet sich laut Deutschem Wetterdienst für Donnerstag und Freitag an und warnt vor allem Autofahrer: „Das wird fies werden, weil mit der Warmluft Regen zustande kommt und der auf dem gefrorenen Boden auch Glatteis bringen wird.“ Der Berufsverkehr am Freitagmorgen könnte so zur „haarigen Sache“ werden. Bis zu sieben Grad und Böen mit bis zu 75 km/h werden im südlichen Oberbayern erwartet, bevor ab Freitagabend wohl wieder Kaltluft wartet. Ungewöhnlich ist so eine längere Frostperiode übrigens nicht, teilt der DWD mit. Nur sei man wegen der häufig milderen Winter der Vergangenheit nicht mehr so daran gewöhnt. DPA/SCO