„Im Ehrenamt kriege ich den Kopf frei“

von Redaktion

Am 1. März ist Pfarrgemeinderatswahl – Warum ein 28-Jähriger für die Aufgabe schwärmt

Johannes Siebner ist PGR-Vorsitzender der Gemeinde Leiden Christi in München. Er steht wieder zur Wahl. © Marcus Schlaf

München – Die Energie, die Johannes Siebner ausstrahlt, ist ansteckend. Wenn der Münchner (28) über sein Ehrenamt spricht, strahlt er über das ganze Gesicht. Der junge Mann ist Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der katholischen Gemeinde „Leiden Christi“ in München. Und das macht ihm so viel Spaß, dass er bei den bevorstehenden Wahlen am 1. März für die nächsten vier Jahre wieder kandidiert.

„Ich genieße diese positive Stimmung im Ehrenamt. Für mich ist das eine Auszeit vom Beruf. Hier kriege ich den Kopf frei“, schwärmt Siebner, der als Polizeibeamter beim Kriminaldauerdienst arbeitet. Vom Job, in dem er oft mit den dunklen Seiten des Lebens konfrontiert ist, spricht er kaum. Seinen Ausgleich findet er in der Pfarrgemeinde.

Kaum zu glauben, dass es diese klassische Karriere noch gibt: Ministrant, Oberministrant, Jugendarbeit, Pfarrjugendleiter. Auch seine vier Geschwister, drei Schwestern und ein Bruder, waren als Ministranten aktiv. „Leiden Christi“ im Münchner Stadtteil Menzing müsste eigentlich „Freuden Christi“ heißen, wenn man hört, wie gut das Pfarrei-Leben dort funktioniert. Als Siebner älter wurde, wollte er der Jugend helfen, damit es dort weiter gut läuft. Vor vier Jahren hat er für den Pfarrgemeinderat kandidiert – und wurde nicht nur in das Gremium gewählt, das das kirchliche Leben vor Ort plant und gestaltet. Er wurde gleich Vorsitzender.

Es wird immer schwieriger, Kandidaten zu finden. In 763 Stimmbezirken wird am 1. März gewählt, eine Woche vor den Kommunalwahlen in Bayern. Josef Peis, Geschäftsführer des Diözesanrats der Katholiken, weiß um die terminlichen Überschneidungen. Schon aus persönlicher Betroffenheit: Der 52-Jährige, der die Pfarrgemeinderatswahlen für das Erzbistum koordiniert, tritt selber als Bürgermeisterkandidat für seine Wählergemeinschaft und die CSU in Ebersberg an. Eine Verlegung der Pfarrgemeinderatswahl in den Herbst hätte bedeutet, dass die amtierenden Räte ein halbes Jahr länger im Amt geblieben wären.

Am 1. Februar erhalten die 1,3 Millionen wahlberechtigten Katholiken im Erzbistum eine schriftliche Wahlbenachrichtigung. 2022 wurden in 718 Pfarreien neue Pfarrgemeinderäte (PGR) gewählt. Damals gab es 6200 Kandidaten, 5048 wurden gewählt. In 27 Pfarreien konnte kein PGR gewählt werden, weil nicht genügend Kandidaten gefunden werden konnten. Josef Peis hofft, dass überall genügend Interessenten gewonnen werden. Bis zum 11. Januar ist noch Zeit: Dann werden die Kandidatenlisten geschlossen.

Die Wahlbeteiligung lag 2022 bei 13 Prozent – mit einer riesigen Bandbreite: In St. Stephan Rappoltskirchen (Dekanat Erding) gingen 57 Prozent der Gemeindemitglieder zur Wahl, in St. Pius (Dekanat Perlach) waren es nur 1,8 Prozent. Peis setzt auf die Möglichkeit der Online-Wahl. 2022 haben 650 Pfarreien die Möglichkeit angeboten. „Dieses Mal machen 700 Gemeinden mit“, sagt er. In diesen Pfarreien können Gläubige aber auch am 1. März zur Urnenwahl gehen.

Johannes Siebner hofft auf eine „Verlängerung“. In den ersten vier Jahren als Ehrenamtlicher hat er mit seinem Team ein ganzes Jubiläumsjahr gestemmt. Die Kirche „Leiden Christi“ wurde im vergangenen Jahr 100 Jahre alt. Ein echter Erfolg ist auch das Küchentreffen: Jeden ersten Montag im Monat wird zusammen gebruzzelt. Anmelden kann sich jeder, Konfession unwichtig. Der Pfarrgemeinderat will Möglichkeiten schaffen, dass sich Menschen kennenlernen, die nicht zur Kerngemeinde gehören. „Das ist ein super Weg, um ihnen zu zeigen: Kirche ist Kirche vor Ort und mehr als das, was man in den Nachrichten hört.“

Es ist nicht nur die Gemeinschaft, die ihn trägt. Sondern auch ein ausgeprägtes Gottvertrauen. Seit Kindertagen hat er das Lied im Kopf: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter euch“. Da wird Glaube für ihn begreifbar. Und an dieser Kirche vor Ort will er unbedingt weiter mitarbeiten.CLAUDIA MÖLLERS

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