DAS PORTRÄT

Als Ärztin in den ärmsten Ländern der Welt

von Redaktion

Irene Gollreiter-Braunfels aus Oberhaching.

Irene Gollreiter-Braunfels ist die Enkelin des Komponisten Walter Braunfels und die Urenkelin von Adolf Hildebrandt, einem der berühmtesten Bildhauer der Prinzregentenzeit. Sie ist also mit Hochkultur aufgewachsen, gleichzeitig war ihre Mutter immer karitativ tätig. Sie selbst spielt Geige, studiert hat sie Medizin – mit dem Wunsch, auch in den ärmsten Ländern der Welt als Ärztin zu helfen. Schon als junge Frau war sie mehrere Monate in Indien und in Pakistan. Jetzt sind ihre drei Kinder aus dem Haus – und sie ist für sechs Wochen nach Kenia gereist. Um dort die German Doctors ehrenamtlich zu unterstützen.

„In einem Slum unterwegs zu sein, geht unheimlich unter die Haut“, sagt die Oberhachingerin. Sie war beeindruckt davon, wie die Menschen dort trotz Armut ihr Leben meistern. Gleichzeitig weiß die 64-Jährige, dass auch das Engagement von noch so vielen Ärzten vor Ort nichts ausrichten wird gegen das Elend. „Es bräuchte mehr Bildung, die jungen Mädchen müssten umfassend aufgeklärt werden“, sagt sie. „Damit sie nicht mit 20 schwanger werden.“ Aber die Kirchen predigen in Kenia, dass viele Kinder Reichtum bedeuten würden. In der Sechs-Millionen-Stadt Nairobi lebt die Hälfte der Menschen von der Hand in den Mund. Sie haben gerade mal fünf Prozent des Stadtgebiets zur Verfügung, berichtet Gollreiter-Braunfels. Der Rest der Stadt gehöre den Wohlhabenden. Die reichen Viertel und die Slums sind durch eine zehnspurige Stadtautobahn voneinander getrennt. „Kenia hat die spektakuläre Natur, es gibt Bodenschätze, da ist Geld. Nur kommt das bei der Mehrheit der Bevölkerung nie an.“ 30 bis 50 Patienten hat sie am Tag behandelt. Wann immer es möglich war, versuchte sie, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Auch in diesem Jahr will sie wieder für die German Doctors ins Ausland reisen, sagt sie. Vielleicht auf die Philippinen. ANDREA KÄSTLE

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