Im Jahr 1960 traten Ranate und Manfred Uhlig vor den Altar – im vergangenen Jahr begingen sie die eiserne Hochzeit.
Renate (91) stammt aus Lübeck, Manfred (95) aus der Oberpfalz. Seit 1960 sind sie verheiratet. Ihr Rezept fürs Glück: Gleichberechtigung und Respekt. © Achim Schmidt
München – Kennengelernt haben sich Renate und Manfred Uhlig in den 1950er-Jahren bei den Perutz-Photowerken. Er war als Fotokaufmann angestellt, sie verdiente sich dort als Sachbearbeiterin das Geld, um ihre Gymnastik-Ausbildung zu finanzieren. Und so musste sie nach der Arbeit jedes Mal eine weite Strecke von der Firma in Mittersendling bis zur Kleine-Nestler-Schule in Schwabing zurücklegen. Öffentlich, natürlich. Das ließe sich ändern, dachte sich Manfred Uhlig. In seinem Auto hielt er eines Tages neben seiner Kollegin an, kurbelte das Fenster runter und fragte: „Fräulein Röwe, wollen Sie vielleicht mitfahren?“ Sie wollte.
Monate später hatten die beiden unzählige Stunden miteinander verbracht, in denen sie sich über Gott und die Welt unterhielten. Denn Renate hatte auch noch eine Stunde Pause zwischen Arbeit und Schule, die es zu überbrücken galt. „Wir haben einfach das Auto irgendwo geparkt, sind sitzen geblieben und haben miteinander geredet“, erzählt der heute 95-jährige Manfred Uhlig. „Wir hatten sehr viele gemeinsame Interessen.“ Obwohl sie aus den unterschiedlichsten Winkeln Deutschlands kamen: er aus der Oberpfalz, sie aus Lübeck.
„Mehr“ passiert war allerdings nicht. Die beiden waren eigentlich schon vergeben, führten jeweils Fernbeziehungen. Also musste das Schicksal eingreifen. Eines Tages bekamen die beiden vom Betriebsrat Kinokarten für „Oklahoma“ im Gloria-Palast geschenkt. Und während sich auf der Leinwand Gordon MacRae und Shirley Jones singend einem Happy End näherten, kamen sich Renate und Manfred im Kinosaal endlich näher: Sie hielten das erste Mal Händchen.
1960 wurde Hochzeit gefeiert – und vergangenes Jahr die eiserne: 65 Jahre Ehe. Der Kontrast Bayer und Hanseatin funktioniere eben, sagt er. Außerdem gab es zwischen den beiden zwei Abmachungen. „Erstens: nicht die Tür zuhauen, sondern miteinander reden. Und zweitens: Alle beide haben dieselben Rechte.“
So erlebten sie glückliche Jahrzehnte. Das Paar bekam zwei Töchter und einen Sohn; sie arbeitete als Gymnastiklehrerin, er wechselte für Agfa als Fachberater Reprografie in den Außendienst. Die Familie war viel in der Natur unterwegs, bei Spaziergängen im Nymphenburger Park oder Wanderungen in den Bergen. Immer wieder ging es in den Norden zu Renates Familie. Die Sommer verbrachten sie jahrelang in Lido di Pomposa in Italien, einem Paradies für die Kinder, mit „Sonne, Sand, Meer und Speiseeis“.
Mittlerweile sind fünf Enkel und ein Urenkel dazugekommen und haben sich über die ganze Welt verteilt. Gerade ist die Tochter aus Australien samt ihrer Kinder einige Wochen zu Besuch, und die Großfamilie verbrachte die Feiertage gemeinsam in Tirol. Für das neue Jahr hatte sich das Ehepaar gewünscht: gesund bleiben, damit es noch weiter reisen kann; im Februar geht es mit dem Kreuzfahrtschiff nach Gran Canaria.
Denn die Uhligs sind auch heute noch topfit, mit 95 und 91 Jahren. Und vor allem: glücklich. „Wir ergänzen uns gut“, sagt er. „Wir mögen uns immer noch so gern.“ Dann schmunzelt er kurz. Und verrät ein kleines Geheimnis: Abends, wenn sie sich im Wohnzimmer vor den Fernseher setzen und einen Film ansehen, rücken die beiden ihre großen Sessel ganz nahe aneinander. Damit sie Händchen halten können. Wie damals, vor so vielen Jahren, im Gloria-Palast. NINA PRAUN