UNTER MEINEM WEISS-BLAUEN HIMMEL

Respekt, Mitgefühl und Freundlichkeit

von Redaktion

Das erste Blatt meines Kalenders 2026 schmückt ein Goethe-Zitat: „Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.“

Mich sehen vor allem die Briefe auf meinem Schreibtisch vorwurfsvoll an. Es wird höchste Zeit, dass ich mich für zauberhafte Weihnachtsbriefe bedanke. Alle handgeschrieben – im Zeltalter von Whatsapp & Co. eine ganz besondere Freude. Zum Glück darf man bis zum 2. Februar ein gutes neues Jahr wünschen, nämlich bis Mariä Lichtmess. Ein Festtag, der inzwischen fast aus unserem Alltag verschwunden ist. Einst wurde er vom Gesinde aber sehnsüchtig herbeigesehnt, denn an diesem Datum zahlte der Dienstherr den Jahreslohn aus und man durfte den Arbeitgeber wechseln.

Mir fällt gerade auch noch eine alte Bauernregel ein: „Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“ Jetzt greife ich aber zum Stift und bin zuversichtlich, dass meine Neujahrsgrüße pünktlich angekommen sind.

In diesem Zusammenhang: ein großes Lob an die Deutsche Post! In der Weihnachtszeit täglich mehr als 13 Millionen Pakete aussortieren und ausliefern, fast doppelt so viele wie an normalen Tagen – eine echte Leistung! Am 22. Dezember um 16 Uhr ein Päckchen zur Post gebracht! Klar, zu spät für einen Weihnachtsgruß. Doch da, am 23., die Überraschung: Mein Geschenk hatte pünktlich den Weg nach Baden-Baden gefunden! Ich konnte es kaum glauben.

Nicht nur meine persönliche Meinung. Seit 2004 teilt sich die Deutsche Post mit der Schweizerischen Post Platz eins: 174 Postdienstleister rund um den Globus wurden für diese Studie von einer UN-Sonderorganisation unter die Lupe genommen. Für die Zusteller ist es ein Knochenjob. „Mein Amt ist herrlich, aber auch beschwerlich“, singt die Christel von der Post in der Operette „Der Vogelhändler“. Vielleicht hätte sie heutzutage nicht mehr so fröhlich vor sich hingeträllert.

Postboten können ein Lied davon singen, wie wenig ihre Dienstleistung oft wertgeschätzt wird. Unfreundlichkeit hat zugenommen. Tür auf, Paket angenommen, Tür zugeknallt. Kein „Danke“, kein „Noch einen schönen Tag“. Einfach nichts. Dass es in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen ein Hochhaus gibt, bei dem Postboten von einem Sicherheitsdienst begleitet werden müssen – traurig und auch erschreckend! „Dankbarkeit erfährt man meistens von älteren Menschen“, erzählt man mir. „Obwohl sie selbst nicht mehr gut zu Fuß sind, kommen sie einem auf der Treppe ein Stück entgegen. Und manchmal gibt es sogar ein Stück selbst gebackenen Kuchen mit auf den Weg. Da macht die Arbeit gleich mehr Spaß.“

Seinen Mitmenschen mit Respekt begegnen, mit Mitgefühl und Freundlichkeit – ein guter Vorsatz für 2026. „Ohne Sehnsucht nach dem Guten hätte es keinen Sinn, die Seiten des Kalenders umzublättern“, so Papst Leo in seiner Neujahrsmesse. Und diese Worte sollte man unbedingt auf Instagram mit seinen Followern teilen …

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