Hanns Hofmann von der Herzogstandbahn. © Alois Ostler
Eigentlich war Hanns Hofmann ja Schreiner. Aber als sein Betrieb schloss, schaute er sich nach neuen Stellen um – und entdeckte eine Anzeige der Herzogstandbahn. Erst war sein Plan, dort nur übergangsweise zu arbeiten, bis er eine neue Stelle gefunden hatte. „Aber die Arbeit hat mir gleich ziemlich viel Spaß gemacht“, erzählt er. Also blieb er – unglaubliche vier Jahrzehnte lang. Es dauerte nicht lange, bis er sich mit allem auskannte. Er war beim Wegebau dabei, steuerte die Pistenraupe, half den Skifahrern am Schlepplift. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Wartung der bis zu 27 Meter hohen Stützen: „Die ersten Male ist man da ein bisschen vorsichtig“, sagt Hofmann. „Aber je öfter man es macht, desto mehr muss man aufpassen, dass alle Kollegen gesichert sind und nicht frei rumsteigen, weil sie sich so sicher fühlen.“ Hofmann erlebte 1994 den Umbau der Anlage von einem Sessellift zur Kabinenbahn mit und war seither als Kabinenbegleiter tätig.
Viele schöne Erinnerungen sind in dieser langen Zeit zusammengekommen. Er hat Hochzeitsgesellschaften auf den Berg gefahren, manchmal auch Menschen mit einer körperlichen Behinderung. Diese Begegnungen haben ihn besonders bewegt, erzählt er. „Ich habe Blinde raufgefahren, die haben oben zu strahlen angefangen, als ob sie in einer anderen Welt wären.“ Möglicherweise hätten sie die Umgebung gespürt, glaubt er. „Sie haben wahrscheinlich eine ganz andere Vorstellungskraft als jemand, der sehen kann.“ Seit Corona haben sich die Ausflügler verändert, sagt er. Viele zum Negativen. „Viele sind nur noch auf sich selbst fixiert“, stellt er fest. Oft hat er es zum Beispiel erlebt, dass sie sich weigern, ihren Rucksack auf den Boden zu stellen. Er will die schönen Momente in Erinnerung behalten. Sein persönlicher Rekord: 124 Berg- und Talfahrten an einem einzigen Tag. Aus vielen Arbeitskollegen sind in den 40 Jahren Freunde geworden, sagt der 63-Jährige. An den Ruhestand wird er sich nun erst mal gewöhnen müssen. Angst vor Langeweile hat er aber nicht. Und auch auf seine Herzogstandbahn muss er nicht verzichten. Denn er wohnt seit 34 Jahren direkt neben der Talstation. PATRICK STAAR