Kirchen-Geschäftspartner droht Haft

von Redaktion

Nach Finanzskandal im Bistum Eichstätt: Ein Angeklagter fehlt beim Prozessauftakt

Angeklagt: Stefan W. vor Gericht. © SIGI JANTZ

Der Eichstätter Finanzskandal erschütterte das dortige Bistum. © Lennart Preiss/dpa

Eichstätt/München – Fast ein Jahrzehnt hatten sich die Ermittlungen zum Finanzskandal im Eichstätter Bistum hingezogen – bis am Donnerstag vor dem Landgericht München II endlich der Prozess gegen zwei Männer begann, die bis zu 60 Millionen US-Dollar (gut 50 Millionen Euro) aus dem Kirchenvermögen veruntreut haben sollen. Doch der Auftakt ging schief: Einer von beiden, der Immobilienentwickler Helmut L., kam nicht zur Verfahrenseröffnung – aus gesundheitlichen Gründen, wie es hieß. Der Staatsanwalt beantragte einen Haftbefehl gegen ihn.

Auch der frühere Bischof Hanke soll im Prozess aussagen

Verantworten muss sich neben L. der ehemalige Vize-Finanzchef des Bistums, Stefan W. Er soll mit L. gemeinsame Sache gemacht und dafür Beteiligungen und Bestechungsgeld im oberen sechsstelligen Bereich angenommen haben. Im Gegenzug vergab er laut Anklage unsichere Immobiliendarlehen im Wert von etwa 60 Millionen Dollar. Das Geld sollte unter anderem in riesige Einkaufszentren in Texas fließen, wurde aber wohl mehrfach durch ein schwer überschaubares Firmengeflecht eines Bekannten von L. geschoben und versickerte in Teilen.

Dafür ist Stefan W. in je rund 20 Fällen von Bestechlichkeit und Untreue angeklagt. Die Vorwürfe gegen Helmut L. lauten unter anderem auf 21 Fälle von Bestechung. Zwischenzeitlich hatten beide bereits in Untersuchungshaft gesessen.

Ob der Immobilienunternehmer erneut hinter Gitter muss oder ob er unter Zwang vorgeführt wird, will der Vorsitzende Richter Martin Meixner außerhalb der Verhandlung entscheiden. L.s Verteidigerin Annette Rosskopf teilte mit, ihr Mandant sei im Krankenhaus. Laut einem ärztlichen Attest ist er verhandlungsunfähig. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: Die Entschuldigung reiche nicht aus, hieß es beim Prozessaufakt gestern. „Wir werden dem nachgehen”, sagte Meixner.

In dem Verfahren soll auch der vormalige Bischof des Bistums, Gregor Maria Hanke, aussagen. Er hatte 2017 Strafanzeige gegen die beiden nun Angeklagten erstattet, nachdem die Ungereimtheiten bei einer Haushaltsprüfung ans Licht gekommen waren. Demnach stammt das Geld unter anderem aus der Pensionskasse für Priester. Abgesegnet hatte die risikoreichen Investments der Vermögensverwaltungsrat des Bistums – offenbar nicht unter Hankes Beteiligung, aber unter seiner Verantwortung.

Anfang 2018 machte er den Fall öffentlich, Mitte vergangenen Jahres legte er sein Amt nieder. Sein Auftritt vor Gericht ist für März geplant. Bis Mitte August sind knapp 60 Verhandlungstage angesetzt.

Der größte Teil des Geldes, gut 35 Millionen Dollar, ist mittlerweile wieder an das Bistum zurückgeflossen, rund vier Millionen Dollar sollen noch folgen. So hatte es die Kirche 2022 in einem Zivilprozess mit dem US-Unternehmer ausgehandelt, der dem Klerus eigentlich Traumrenditen hätte beschaffen sollen. Außerdem ist eine Klage gegen Helmut L. vor dem Landgericht Ingolstadt eingereicht. Das Verfahren ruht, solange der Strafprozess läuft. Ob sich damit noch viel Geld in den Schoß der Kirche zurückschaffen lässt: zweifelhaft. Die verbliebene Summe ist in den Bilanzen jedenfalls abgeschrieben.TOM SUNDERMANN

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