Hubertus von Pilgrim wurde 94 Jahre alt. © Klaus Haag
Bleibende Erinnerung: Das Todesmarsch-Mahnmal erinnert an Elendszüge von KZ-Häftlingen bei Kriegsende. © SvJ/Archiv
Pullach – Die Werke des Bildhauers Hubertus von Pilgrim sind in ganz Deutschland zu sehen. Ein Adenauerkopf in Bonn, die „Windbraut“ in Berlin. In München zum Beispiel eine Gedenktafel für Pettenkofer und eine für Mozart. Berühmt wurde er aber durch das Mahnmal für die Opfer des Dachauer Todesmarsches vom April 1945. Am 1. Januar ist der Künstler, wie jetzt bekannt wurde, in Pullach (Kreis München) im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Er wurde 94 Jahre alt.
Der ehemalige Gautinger Bürgermeister Ekkehard Knobloch (85) erinnert sich noch gut, wie er Hubertus von Pilgrim kennenlernte. Knobloch war der Initiator des ersten Todesmarsch-Mahnmals, das 1989 in seiner Gemeinde aufgestellt wurde. Vorher gab es eine Ausschreibung. 130 Künstler aus Oberbayern forderten die Unterlagen an, 60 schickten ihre Entwürfe ein. Eine Jury, der neben Knobloch unter anderem auch der KZ-Überlebende Max Mannheimer angehörte, wählte aus – und einigte sich auf den Entwurf von Hubertus von Pilgrim.
Dieser war damals schon ein renommierter Künstler, seit 1963 Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Er hatte 1965 ein Wandrelief beim Bau der Versöhnungskirche in Dachau gestaltet. 1977 nahm er einen Ruf an die Akademie der Bildenden Künste in München an. Das Todesmarsch-Mahnmal bestach durch seine einprägsame kahlköpfige Figurengruppe – Elendsgestalten, die damals 1945 viele Oberbayern durch die Straßen wanken sahen. Unumstritten war die Aufstellung der Mahnmale im Oberland jedoch nicht, erinnert sich Knobloch. Ein Bürgermeister schleuderte ihm entgegen: „Die KZ‘ler waren doch alle Verbrecher.“ Doch heute stehen 22 Mahnmale südlich und westlich von München, eines zudem in Yad Vashem/Israel, ein weiteres im NS-Dokuzentrum. Die Erinnerung an die Todesmärsche schwindet nicht. Nach wie vor gibt es jedes Jahr Gedenkveranstaltungen an den Mahnmalen. Hubertus von Pilgrim ist zwar gestorben. Doch seine Denkmäler, die bleiben.DIRK WALTER