Chefsache Bäuerin

von Redaktion

Landfrauen stellen Zukunftskonzept vor: Mehr Höfe sollen unter weibliche Führung

Eine Bäuerin im Stall bei ihren Kühen. © Grabowsky/pa

München – Dieser Satz von Bauernpräsident Günther Felßner ging Landesbäuerin Christine Singer runter wie Öl: „Die Zukunft der Landwirtschaft ist weiblich.“ Die Verbandsspitze des Bayerischen Bauernverbands stellte gestern in München ein Zukunftskonzept vor, mit dem passend zum UN-Jahr der Landwirtin die Chancen der Bäuerinnen auf ihren Höfen daheim, aber auch im Verband deutlich verbessert werden sollen.

35 Prozent der Beschäftigten in der bayerischen Landwirtschaft sind Frauen. Aber nur neun Prozent der Betriebe werden von einer Frau geführt. Seit drei Jahren wird im Verband in einem Strategieprozess darüber diskutiert, wie die Perspektiven der weiblichen Verbandsmitglieder gestärkt werden können. Wie berichtet, war erst im Dezember eine umfangreiche Satzungsänderung verabschiedet worden, die für mehr Gleichberechtigung sorgen soll.

Eine Frauenquote wollen weder die Frauen noch die Männer im Bauernverband. Aber sie haben eine Vision, wo es hingehen könnte: „Wie wäre es, wenn im Jahr 2035 in Bayern 20 Prozent aller Betriebe von Frauen geleitet werden?“, stellte sich die Landesbäuerin vor. Das wäre eine Verdopplung der Zahl der Betriebsleiterinnen in zehn Jahren. Auf ihrem Hof in Spatzenhausen (Kreis Garmisch-Partenkirchen) wird das heuer bereits Realität. „Wir übergeben in diesem Jahr an unsere Tochter. Eine junge Frau, die top ausgebildet ist, eine Leidenschaft für die Tierhaltung und ein Händchen für unternehmerische Entscheidungen hat.“

Es sei aber längst noch nicht überall in der bäuerlichen Denke verankert, dass es egal ist, ob ein Bursche oder ein Mädel in den Betrieb einsteigt. Das klassische Rollendenken – der Älteste erbt den Hof – soll aufgebrochen werden. Noch immer passiere es, dass ein Vertreter, der auf einem Bauernhof auf die Betriebsleiterin trifft, nach dem Chef fragt. Oder eine junge Frau, die eine Fläche pachten will, beim Verpächter ein müdes Lächeln erntet.

Mit einem umfangreichen Beratungsangebot und Coaching will der Bauernverband die Bäuerinnen fit machen für die Betriebsleitung. So sollen sie zum Beispiel geschult werden in Finanzverhandlungen. In den nächsten Monaten sollen ihnen Frauen vorgestellt werden, die schon längst ihren Betrieb führen. Wissensvermittlung von Landwirtin zu Landwirtin. In zahlreichen Betrieben führten erfolgreiche Frauen bisher schon Betriebszweige. Damit erwirtschafteten sie zwar Geld, doch seien sie nicht Betriebsleiter, warnte die Landesbäuerin. „Bei der Bank würden sie nicht einmal einen Kredit bekommen“, sagte Singer. Die Landfrauen haben sich auf die Fahnen geschrieben, die jungen Frauen zu unterstützen. Und es sei gut zu wissen: „Der Präsident steht dahinter.“

Günther Felßner schwebt vor, dass künftig nur noch die Qualifikation darüber entscheidet, wer welche Aufgabe übernimmt. Das Geschlecht müsse völlig unwichtig sein. „Die Qualifikation von Frauen in der Landwirtschaft ist massiv gestiegen“, sagte er. Zudem stehe der Bauernstand vor einem großen Generationswechsel. „43 Prozent der Betriebsleiter auf bayerischen Höfen sind älter als 55 Jahre.“ Dort stehe in den nächsten zehn Jahren eine Betriebsübergabe an. Und die Frage sein dann: „Ist jemand da, der das kann?“ Unabhängig davon, ob das ein Mann oder eine Frau sei. „Wir müssen darüber sprechen, wie wir es Frauen ermöglichen, in die Führungsverantwortung zu gehen“, umschrieb er die Dringlichkeit. Was der Bauernpräsident aber keinesfalls möchte, ist eine ideologische Debatte mit „Schaum vor dem Mund“. CLAUDIA MÖLLERS

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