Söder setzt auf Zusammenhalt

von Redaktion

2000 Ehrengäste begrüßen in der Münchner Residenz das neue Jahr

Dieses Jahr schwingt Ministerpräsident Söder nicht das Tanzbein. © Hörhager/dpa

München – Was will man schon an frommen Wünschen fürs neue Jahr spenden? In diesem Fall ist die Sache recht einfach: Gute Besserung! Das dürfte die Formel sein, die Markus Söder am Freitagabend immer und immer wieder hörte. Nach seiner Hüft-Operation empfing der Bayern-Regent auf Krücken oder sitzend die rund 2000 Ehrengäste seines großen Neujahrsempfangs in der prachtvollen Münchner Residenz. Das große, stets Stunden andauernde Händeschüttel-Defilee fiel deshalb aus, was manche Gäste bedauerten, Söder insgeheim weniger. Er bat um Verständnis, als er am frühen Abend lieber gleich zu seiner Rede antrat, die in alle Residenz-Flure und -Prunkräume übertragen wurde.

„Irgendwie kommt das neue Jahr so ziemlich auf Krücken daher“, schmunzelte Söder, setzte dann aber zu einem ernsten Grundton an – wie so oft in diesen Wochen. „Wir müssen unsere Wirtschaft stärken“, forderte er. „Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit voranbringen.“ Der CSU-Chef stimmte die Gäste zum neuen Jahr auf Veränderungen ein. „Wenn wir das Gute bewahren wollen, müssen wir manches verändern.“ Er habe „keine Lust, dass wir nur Zaungäste der Geschichte sind“, sagte Söder. „Ich bin auch nicht bereit zu akzeptieren, dass irgendwann aus Schwäche, Angst und Mutlosigkeit radikale Kräfte unser Land übernehmen.“

Deswegen beschwor Söder den Zusammenhalt in der Gesellschaft, gerade in schwierigen Zeiten. „Freiheit bedeutet nicht nur meine Meinung zu sagen, sondern auch Respekt und Toleranz vor der Meinung des anderen zu haben.“ Der Ministerpräsident nennt es „bavarian way of life“.

Für den heiteren Part des Abends war Vicky Leandros vorgesehen. Die deutsch-griechische Schlagerkönigin („Ich liebe das Leben“) trat am Abend auf. Das Tanzbein werde er aber nicht schwingen, kündigte Söder an. Verköstigt wurden die Gäste mit Rehfleischpflanzerl, Entenbrüsten und einer fränkischen Sektbar. Und das persönliche Händeschütteln? „Ach, das Defilee hat keiner wirklich vermisst“, sagt Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze. „Man kommt so viel schneller in gute Gespräche.“

Söder blieb bei diesem Empfang, gesellschaftlicher Höhepunkt des Winters in Bayern, nicht der einzige auf Krücken: Auch Kunstminister Markus Blume (CSU) hat es erwischt – Kreuzbandriss beim Skifahren, linkes Knie kaputt. Blume humpelte tapfer in die Residenz und konnte noch scherzen: „So weit geht die Solidarität im Kabinett.“ Sein Chef bedankte sich augenzwinkernd.CD/HUD

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