Schafkopfen als Schulfach

von Redaktion

Hans-Peter Höpfl unterrichtet in Landau Englisch, Erdkunde – und das beliebte Kartenspiel

Konzentriert: Hans-Peter Höpfl beim Wiesn-Turnier im Armbrustschützenzelt. © proseccohead

Landau – Heute ist Weltschafkopf-Tag. Hans-Peter Höpfl liebt das Kartenspiel seit seiner Kindheit. Er hat es von seinem Vater gelernt. Heute gibt er am Gymnasium im niederbayerischen Landau ein Schafkopf-Seminar für Kinder und Jugendliche.

Viele Kinder haben in der Schule Schafkopfen gespielt. Aber in der Pause. Wie kommt es, dass Sie Schafkopf-Lehrer wurden?

Ich spiele seit meiner Kindheit, mein Vater war richtig gut und hat es mir beigebracht, ich durfte den Älteren auch über die Schulter schauen. Überhaupt ist Spielen immer auch Lernen. Schafkopfen als König der Kartenspiele ist dazu besonders gut geeignet. Ich habe schon oft Wahlfächer angeboten – und jetzt ein Praxis-Seminar mit Benotung. Das kommt gut an – bei Schülern, Eltern und natürlich auch bei vielen Kollegen.

In Ihrem Kurs sind ausschließlich Buben, keine Mädchen. Wieso?

Es gibt Interessierte, aber die Auswahl an P-Seminaren ist groß. Vielleicht ist das eine historische Sache. Schafkopfen assoziieren viele heute noch mit Wirtshaus und alten Männern am Stammtisch. Wir hatten auch schon Mädchen im Wahlkurs, vielleicht sind kommendes Schuljahr wieder welche dabei. Ich biete auf jeden Fall wieder einen Kurs an.

Wie läuft so eine Unterrichts-Doppelstunde ab?

Zuerst werfe ich den Projektor an und zeige ein Schafkopf-Blatt eines Spielers. Die Schüler schauen es sich an, dann frage ich: Was kann man damit machen? Gibt es Alternativen? Das Blatt wird diskutiert und anschließend geht es endlich an die Praxis. Also ran an die Kartentische – und selbst spielen. Ich habe derzeit 17 Schüler, gehe von Tisch zu Tisch, gebe Ratschläge, wenn erwünscht – und freue mich, dass alles friedlich abgeht. Es ist glücklicherweise bislang noch nie passiert, dass jemand vor Wut aufgesprungen ist und die Karten zerrissen hat.

Lehrt Schafkopfen auch Gelassenheit – wenn der Mitspieler einen rechten Schmarrn zusammenspielt?

Das ist wohl eher eine Typfrage. Ich spiele ab und zu auch bei Turnieren mit, auch wenn ich mich als Freizeit-Schafkopfer bezeichne. Seit Jahren habe ich endlich wieder eine feste Runde jeden Mittwoch. Wer da fehlt, braucht schon einen guten Grund. Bei uns darf am Tisch auch geratscht werden, es darf lustig sein, aber dennoch konzentriert. Bei manchen Turnieren triffst du aber auf Spieler, die bierernst statt ernst spielen, permanent Mitspieler korrigieren. Das brauch ich nicht.

Haben Sie Unterstützung?

Die Schafkopfschule war begeistert, dass ich sie für Crash-Kurse um Unterstützung gebeten habe. Es half auch, dass der Philologenverband eine Lanze fürs Schafkopfen bricht. Und ganz konkret helfen die Schüler bei Turnieren, die wir in der Schule ausrichten. Denn die müssen das Event organisieren und lernen damit gleich, wie es im Berufsleben zugehen kann. Aufgaben werden verteilt – die einen kümmern sich um die Preise, die es zu gewinnen gibt, die anderen um den Ablauf, die Anmeldung und wieder andere um die Öffentlichkeitsarbeit.

Wer darf an den Schafkopf-Turnieren der Schule teilnehmen?

Schüler, deren Eltern, Ehemalige, Lehrer. Das ist eine rechte Gaudi. Schafkopfen ist ja wie Radeln: Wenn du es einmal gscheit gelernt hast, kommst du schnell wieder rein. Das kann sehr wichtig sein. Wenn man neue Leute kennenlernt, kann es passieren, dass wer fragt: Spielst du Schafkopfen? Und du kriegst unkompliziert und schnell Kontakt. Das ist sozusagen ein Supertrumpf des Schafkopfspiels.

Apropos Supertrumpf: Hatten Sie schon mal ein „Tout“ auf der Hand, also alle höchsten Trümpfe?

Einmal. Wir haben ein Kurzblatt gespielt, ohne Siebener und Achter, wie es in meiner Heimat Oberpfalz und in Franken Standard ist. Das Blatt hängt gerahmt im Wirtshaus an der Wand. Wir spielen um Geld, aber um wenig. Bei diesem Spiel habe ich 7,80 Euro gewonnen und gleich in eine Goaßnmass investiert. Da durfte jeder Spieler mal seinen Rüssel reinhängen.

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