Jetzt kommt es zum Bruch mit Schirmherr Söder: Das Ehepaar Weimer, das frühere Gipfel gemeinsam veranstaltete. © Felix Hoerhager
Tegernsee/Bamberg – Es war ein herzlicher Empfang im Mai 2025. „Möge die Macht mit Ihnen sein“, rief der Moderator dem Ehrengast Markus Söder zu. Und der Ministerpräsident begrüßte die Gipfel-Teilnehmer unter lautem Beifall „im Zentrum von Deutschland“. Nun, die Freundlichkeiten rund um den Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee haben vorerst ein Ende. In einem harten Schnitt zieht sich Söder für 2026 als Schirmherr der Großveranstaltung zurück und streicht weitestmöglich die staatliche Unterstützung.
Das ist, bei näherem Hinsehen nicht überraschend, das Ergebnis der unergiebigen Compliance-Prüfung der Staatskanzlei-Juristen. Gegen die Gipfel-Organisatoren steht der unbewiesene Vorwurf im Raum, für sehr teure Spezial-Tickets damit geworben zu haben, Kontakte zu Top-Politikern anbieten zu können. Kontakt gegen Cash – das wäre eine klare Grenzüberschreitung auch bei einem Gipfel wie diesem, der Wirtschaft, Politik, Medien, Gesellschaft auf oberster Ebene zusammenbringen will. Zusätzliches Geschmäckle: Der frühere Gipfel-Organisator Wolfram Weimer ist jetzt Kultur-Staatsminister (eine Art Staatssekretär) im Kanzleramt; seine Frau führt jetzt den Gipfel. Herr Weimer weist entschieden zurück, seine Berliner Kabinettskontakte dazu zu nutzen, Bundesminister oder Kanzler Friedrich Merz – einen guten Freund – zum Gipfel zu lotsen und daran zu verdienen.
Wer Söder genau zuhört, staunt: Seine Wortwahl klingt abgewogen, aber ist extrem hart. Er ist, so heißt es hinter den Kulissen, hoch verärgert wegen Weimer. „Strafrechtlich ist da nichts zu beanstanden“, sagt er, „aber es handelt sich um eine Grauzone.“ Sein Rückzug für 2026 sei eine „klare hygienische Entscheidung“. Keine Schirmherrschaft, keine Teilnahme, auch kein vom Freistaat (also Steuerzahler) finanzierter Staatsempfang mehr für die Gipfel-Runde.
Auf der Gipfel-Webseite war Söder am Montag noch als Redner für Ende April angekündigt, dazu einige seiner Kabinettsmitglieder. Schwer vorstellbar, dass nun CSU-Minister beim Gipfel auftreten, sie pflegen sich sehr folgsam an ihrem Chef zu orientieren und auf sein Kommando brav zu schweigen. Dass Freie-Wähler-Chef und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger die Bühne nun erst recht nutzt, ist möglich. Auch wird Ilse Aigner (CSU), die örtliche Abgeordnete, wohl bei ihrer Zusage bleiben; ebenso mehrere Bundesminister der Union aus Berlin.
Der Gipfel, laut den Weimers „Deutschlands Meinungsführertreffen“, ist damit nicht tot. Ein Rückschlag ist das, verbunden mit Söders hartem „Hygiene“-Urteil, allerdings schon. Zumal noch unklar ist, wie viel staatliche Förderung jetzt wegbricht. Seit 2022, als Söder erstmals Schirmherr war, unterstützte Bayern aus unterschiedlichen Töpfen und mit Werbe-Gegenleistung den Gipfel mit geschätzt 530 000 bis 700 000 Euro, Tendenz zuletzt stark steigend. Söder sagt, zuständig seien das Wirtschafts- und das Digitalministerium. Beide sind in FW-Hand, offiziell überlässt er den Ministern die Entscheidung, was davon rechtlich noch zu stoppen ist für 2026.
Ihren Ursprung hatte die Kritik im Herbst in Kreisen der AfD, die am Gipfel unwillkommen ist. Die Breitenwirkung der Kritik wurde dann offenkundig anfänglich unterschätzt. Wolfram Weimer selbst hatte im November erst nach tagelanger öffentlicher Kritik seinen 50-Prozent-Anteil an der Gipfel-Firma einem Treuhänder übertragen. Er wolle jeden Anschein eines Interessenkonflikts vermeiden, sagte der parteilose Politiker damals.CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER