Viele Frauenhäuser in Bayern sind fast immer voll belegt. Frauen in Not müssen oft abgewiesen werden. © dpa
München – Es gibt in Bayern 44 Frauenhäuser, 41 davon sind staatlich gefördert. Und so gut wie alle bräuchten mehr Plätze, um die Frauen unterzubringen, die dort um Hilfe bitten. „Die Zahl der Anfragen und Abweisungen wird nicht systematisch erhoben“, erklärt Inken Tremel, von der Koordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern. Es gibt aber eine Befragung der Frauenhäuser aus dem Jahr 2014, damals berichteten die Frauenhäuser, dass sie in zwölf Monaten 4000 Mal Frauen abweisen mussten, weil kein Platz frei war. In solchen Fällen bekommen die Frauen Kontaktdaten von anderen Frauenhäusern, bei denen sie anrufen können, erklärt Tremel. Außerdem gibt es die Plattform frauenhaus-suche.de, die für alle zugänglich ist. Ein Blick auf die Karte zeigt aber: In ganz Bayern gibt es aktuell nur drei Frauenhäuser, in denen gerade eine Aufnahme möglich ist.
Die Platznot in den Frauenhäusern ist seit vielen Jahren ein Problem – aber es wird immer drängender. Unter anderem, weil immer mehr Frauen Opfer von Gewalt werden. Die Kriminalstatistik 2024 führt 578 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in partnerschaftlichen Beziehungen auf und 439 Fälle von innerfamiliärer Gewalt. Gleichzeitig betrug die durchschnittliche Auslastung der staatlich geförderten Frauenhäuser rund 82 Prozent. Für viele Frauen bedeutet das, dass sie in weiter Entfernung von ihrem Wohnort einen Platz im Frauenhaus bekommen. Es kann in manchen Fällen notwendig sein, dass die Entfernung zum Partner größer ist, sagt Tremel. Es wird aber vor allem dann ein Problem, wenn die Frauen schulpflichtige Kinder haben. „Unsere Mitarbeiterinnen versuchen, bei der Weitervermittlung zu helfen“, sagt Tremel. Allerdings können sie das nur machen, wenn gerade Zeit dafür ist. „Wir bräuchten dringend mehr Stellen, um eine Weitervermittlung der Frauen in eine sichere Situation leisten zu können.“
Ein erster Schritt, um die Situation zu entschärfen, könnte der Ausbau der 33 staatlich geförderten Interventionsstellen in Bayern sein. Sie arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Wenn die wegen häuslicher Gewalt alarmiert wird, fragen die Beamten die Frauen, ob sie einen Anruf der Beratungsstelle möchten. Wenn sie einwilligen, melden sich die Fachberater bei ihnen. „Dieses niedrigschwellige Angebot ist sehr wichtig“, betont Tremel. Es gibt auf der bayerischen Landkarte aber noch einige blinde Flecken. Und die Fachberaterinnen seien überlastet – weil es zu wenig Stellen gibt. Auch die Fachstellen für Täterarbeit müssten ausgebaut werden, sagt Tremel. Dort bekommen Männer Hilfe, wenn sie selbst erkennen, dass sie ein Gewaltproblem haben. Viele suchen diese Stellen auf, weil es eine Auflage nach einem Gerichtsprozess ist.
Die Frauenhäuser in Bayern sind auch deshalb so überlastet, weil Wohnraum fehlt. „Für die meisten Frauen ist es sehr schwer, bezahlbare Wohnungen zu finden“, sagt Tremel. Auch bei dieser Suche bekommen sie Unterstützung von den Frauenhaus-Mitarbeiterinnen. Sie stellen Kontakte her – zu Bürgermeistern, Vermietern, Wohnungsgenossenschaften. „Sie bauen Brücken.“ Das hilft zumindest in ein paar Fällen.
Die Landtags-Grünen haben die Staatsregierung vor Kurzem aufgefordert, das vom Bund beschlossene Gewalthilfegesetz zügig umzusetzen. Dieses Gesetz verpflichtet Länder und Kommunen, Frauenhäuser und andere Schutzangebote zu finanzieren und auszubauen. Beschlossen ist es bereits, im Laufe des Jahres müssen die Bundesländer Konzepte entwickeln. Viele Frauen werden die Hilfe der Frauenhäuser schon vorher brauchen. 2024 haben allein in Bayern 20 000 Frauen häusliche Gewalt erlebt, 40 wurden Opfer von Femiziden. Die 44 bayerischen Frauenhäuser reichten nicht aus, um allen Schutz zu bieten, betonte der SPD-Landesvorsitzende Sebastian Roloff. Es brauche flächendeckende Angebote „und keine wohnortferne Wartelistenpolitik“. Gewalthilfeeinrichtungen müssten eine „verpflichtende Leistung der Kommunen“ sein, fordert er.