Kinderporno-Ermittlungen wegen verschlüsselter Nachrichten erschwert

von Redaktion

Bamberg – Die bayerische Zentralstelle Cybercrime hat im vergangenen Jahr weniger Fälle wegen des Umgangs mit kinderpornografischen Inhalten registriert. Eine gute Nachricht ist dies jedoch nicht: „Es wäre weltfremd, zu sagen, die tatsächlichen Fälle sind zurückgegangen“, sagte der stellvertretende Leiter der Spezialstaatsanwaltschaft, der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Goger.

Abschließend lasse sich der Rückgang der Fallzahlen noch nicht beurteilen. „Natürlich haben wir uns in diesem Bereich bestimmte Themen aktiv vorgenommen, zum Beispiel das Livestreaming von Missbrauchstaten im Internet. Wir müssen allerdings von einem Rückgang der Meldungen aus der Online-Wirtschaft, der NCMEC-Meldungen, ausgehen.“

Dabei geht es um die gemeinnützige Organisation „National Center for Missing and Exploited Children“ (NCMEC) aus den USA, mit der die deutschen Ermittler kooperieren. Die Organisation arbeitet nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) mit US-amerikanischen Internetanbietern und Serviceprovidern zusammen, die ihre Datenbestände mit Blick auf mögliche Missbrauchsdarstellungen filtern.

Die These laut Goger: Mehr und mehr Dienste würden ihre Angebote Ende-zu-Ende verschlüsseln. „Möglicherweise fällt das Material den Anbietern schlicht nicht mehr auf. Und das ist genau der Grund, warum wir momentan sehr genau verfolgen, was sich auf europäischer Ebene tut.“ Seit vielen Jahren werde eine neue Verordnung verhandelt, die in der Öffentlichkeit oftmals als „Chat-Kontrolle“ bezeichnet werde.

„Die Befürchtung, dass wir zunehmend blind werden auf diesem Feld, scheint sich zu bewahrheiten. Das besorgt uns momentan sehr“, sagte Goger. „Sollte die Rolle von NCMEC geringer werden, dann haben wir bei der Strafverfolgung in Sachen Kinderpornografie im Netz ein echtes Problem. Das muss man so deutlich sagen. Viele, wirklich schwerwiegende Fälle sind nur durch die NCMEC-Meldungen ans Licht gekommen.“DPA

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