Wunderschön: Nicht nur seine Berge locken viele Millionen Touristen nach Bayern – die Freien Wähler wollen das forcieren und gleichzeitig die Nachhaltigkeit stärken. © IMAGO
Berchtesgaden – Bayern profitiert wirtschaftlich stark vom Tourismus. Mehr als 100 Millionen Übernachtungen gab es im Rekordjahr 2024, über 40 Millionen Gäste und über 28 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung. Doch was überbordender und zu wenig gesteuerter Tourismus auch aus Regionen machen kann, lässt sich in Städten wie Lissabon oder auf Mallorca beobachten, wo die Bevölkerung darunter leidet und längst auch gegen ungebremste Besucherströme auf die Straße geht. Die Landtagsfraktion der Freien Wähler widmet ab heute einen Schwerpunkt ihrer Klausur in Berchtesgaden diesem Spannungsfeld.
In einer Resolution („Regionale Wertschöpfung durch nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Tourismus“), deren Entwurf unserer Zeitung vorliegt, setzen sich die Abgeordneten für Erleichterungen für die personalintensive Branche ein, etwa durch Steuerentlastungen für Sachbezüge wie kostenlose Mittagessen oder günstige Wohnmöglichkeiten sowie eine „verbesserte Anerkennung von Arbeitskräften aus Nicht-EU-Staaten und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten“.
Als Chance schätzen die Freien Wähler besonders den Geschäftsreisetourismus ein, der „zu der erfreulichen Steigerung an Übernachtungsgästen in Bayern beigetragen“ habe. Die abgeleitete Forderung: Bayern soll als Kongressstandort noch attraktiver werden. „Hier heißt es, die Messe- und Kongressstandorte weiter zu ermutigen, in dieses Veranstaltungsangebot zu investieren und es auszubauen.“ Zuständig war in der Staatsregierung früher das FW-geführte Wirtschaftsministerium, nun das CSU-geführte Agrarressort.
Zudem solle die Beherbergungsbranche ermutigt und unterstützt werden, „ökologisch nachhaltige Maßnahmen umzusetzen“, also energetische Sanierungen, den Einsatz erneuerbarer Energien sowie moderne Gebäudetechnik und Infrastruktur. Eine Idee, um Blechlawinen einzudämmen: „Das bestehende Deutschlandticket soll auf seine Eignung für touristische Mobilität geprüft und optimiert werden, um eine umwelt- und sozialverträgliche An- und Abreise zu fördern.“
Oberstes Ziel sei es, die Wertschöpfung vor Ort zu sichern. Lokale Anbieter, familiengeführte Unterkünfte, Gastronomie und Dienstleistungen sollen also vom Tourismus profitieren. „Hierfür gilt es, den Kommunen entsprechende gesetzliche Grundlagen zur Verfügung zu stellen und die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung zu erhalten“, fordert die Fraktion. Die Investitionen in den regionalen Tourismus bedeuteten auch eine Stärkung der Unternehmen vor Ort, heißt es im Papier – und somit den Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen. SEBASTIAN HORSCH