DAS PORTRÄT

Die Ratgeberinnen für Frauen

von Redaktion

Constanze Wilz (l.) und Beate Berger. © Mayr

Am Anfang stand die Not. Als Constanze Wilz (37) und Beate Berger (46) im April 2022 auf einer Bank in Grafenaschau saßen, wackelte bei beiden das Leben. Eine riskante Operation hier, eine unvermeidliche Trennung dort. Zwei Frauen, zwei Brüche – und ein gemeinsamer Entschluss: So allein, wie sie sich damals fühlten, sollten andere Frauen nicht bleiben müssen. Aus dieser Situation heraus entstand Femformation, eine neue Online-Plattform, die ihre Macherinnen liebevoll „Wikipedia für Frauen“ nennen. Innerhalb von drei Jahren schufen die beiden Journalistinnen und Autorinnen eine Info-Tankstelle für all jene Fragen, die Frauen oft sprachlos machen: Scheidung, Sorgerecht, häusliche Gewalt, Körper, Familie und Gesellschaft. Der Clou: Femformation spricht Klartext. Kein Juristendeutsch, keine Fachwörter, sondern verständliche Sprache, die Sicherheit gibt. „Du stehst sonst wie im Wald und bist danach noch verunsicherter“, sagt Berger aus Riegsee im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, heute alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Femformation versteht sich nicht als kämpferisches Manifest, sondern als Orientierungshilfe. Leserinnen werden geduzt, Informationen in überschaubare Portionen gegliedert, Grafiken helfen beim Verstehen. Etwa lässt sich schnell überschlagen, was eine Scheidung kostet. „Eigenverantwortung steht über allem“, betont die Murnauerin Wilz. Frauen sollen sich nicht ausgeliefert fühlen.

Entstanden ist das Projekt im Schatten von Job und Familie – mit enormem Einsatz. Texte, Design, Logo, Redaktionssystem, Finanzierung: alles aus eigener Hand. Monate vergingen für Recherche und Aufbereitung, es gab auch Rückschläge, etwa beim Markenschutz. Heute ist die Seite online – und die Resonanz überraschend positiv, auch von Männern. „Wir schreiben für Frauen, nicht gegen Männer“, sagt Berger. Femformation soll wachsen, mit neuen Beiträgen, Podcasts, Videos und einem Netzwerk aus Hilfsangeboten. Langfristig wollen die Gründerinnen davon leben. Der Antrieb ist nach wie vor eigene Erfahrung – oder wie Constanze Wilz sagt: „Jemand, der das nicht selbst erlebt hat, hätte so etwas nicht machen können.“ANDREAS MAYR

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