Frühstart in die Grippe-Saison

von Redaktion

Kliniken melden zahlreiche Influenza-Fälle – Ärzte raten zur Impfung

Hausärztin Eva Greipel aus Traunstein. © privat

Hatschi! Gerade sind besonders viele Menschen krank, nicht wenige leiden auch an der sogenannten echten Grippe, an Influenza. Die geht oft sehr schnell los. © IMAGO

München/Traunstein – Die Hausärztin klingt selbst verschnupft am Telefon, aber Eva Greipel ist zum Glück fit genug für ihre Patienten. Die Medizinerin aus Traunstein hat die Praxis nämlich ziemlich voll: Bayern wird gerade von einer ausgewachsenen Grippewelle heimgesucht. Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, bleierne Müdigkeit – das Landesamt für Gesundheit (LGL) stellt für die erste Meldewoche 2026 besonders viele Fälle von Influenza-Erkrankungen fest, nämlich 4152. Im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum nur 1103.

„Was in unserer Praxis los ist, spiegelt sehr gut die Meldezahlen wider“, sagt Eva Greipel. Sie ist nicht nur Hausärztin, sondern auch Oberbayern-Vorsitzende des Hausärzteverbands. Von Kollegen hört sie Ähnliches: viele, viele Patienten leiden unter Atemwegsinfekten. Greipel testet zwar nicht jeden auf Influenza, weil es für die Behandlung oft nicht relevant sei. Aber seit die Ferien vorbei und die Menschen zurück in Kindergarten, Schule und Job sind, steigen die Zahlen. „Das ist ganz typisch“, erklärt Eva Greipel. Erstens, weil Familienfeiern rund um Weihnachten die Ausbreitung von Viren befeuern. Zweitens, weil mit dem wieder anlaufenden Alltag in öffentlichen Verkehrsmitteln, Einrichtungen, Büros die Ansteckungsgefahr steigt.

Den Schwerpunkt im Freistaat verzeichnet das LGL in Oberbayern mit 1415 Patienten in nur einer Woche. Die Influenza-Welle spüren auch die Kliniken. Professor Johannes Bogner leitet das Zentrum Klinische Infektiologie am LMU-Klinikum, er spricht von einer „intensiven Influenzawelle“. Alle Abteilungen des Hauses seien stark belastet. Laut Bogner müssen auch Betten gesperrt werden, weil zu viel Personal erkrankt ist. Auch die München Klinik behandelt im Moment viele Influenza-Patienten. Die Zahl sei in dieser Saison etwas höher als in den Vorjahren. Professor Christoph Spinner, Chef-Infektiologe im Klinikum rechts der Isar, berichtet ebenfalls von einer „relevanten Zahl an Influenzapatienten, die ambulant und stationär behandelt werden müssen“.

Spinner warnt, dass vor allem über 60-Jährige und chronisch Kranke ein erhöhtes Risiko eines schweren Verlaufs haben – „bis hin zu schweren Atemwegsinfektionen mit Lungenentzündung und gegebenenfalls nötigerBeatmung“. Das bestätigt sein Kollege Bogner: Besonders betroffen seien Ältere und Immunschwache. „Und hier wiederum die Leichtsinnigen, die sich nicht haben impfen lassen“, sagt Bogner. Dazu passt eine Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) von Mitte Dezember. Derzufolge haben sich in Deutschland zuletzt so wenig ältere Erwachsene gegen Grippe impfen lassen wie seit 17 Jahren nicht mehr. In der Kreisklinik Bad Reichenhall hatten um Weihnachten herum 40 Prozent der Patienten auf der Pneumologie Influenza – die meisten ungeimpft.

Noch ist es nicht zu spät. Hausärztin Eva Greipel rät durchaus noch zur Impfung, auch wenn es etwa zwei Wochen dauert, bis der Schutz aktiv ist. Auch Professor Spinner wirbt für den Pieks: „Die Impfung halbiert die Infektionswahrscheinlichkeit und reduziert die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs zuverlässig in über vier von fünf Fällen.“ Vor Ansteckung schützt laut LGL außerdem: Abstand halten, Lüften, Nies- und Hustenetikette, Händewaschen. Auch eine Maske könne vor Infektionen schützen. Von einer Ansteckung bis zum Ausbruch vergehen durchschnittlich ein bis zwei Tage. Typisch für eine Influenza ist das plötzliche Erkranken. Übrigens erkranken „wie jede Saison“ auch relativ junge, kaum vorerkrankte Patienten schwer, sagt Dr. Bianca Vogel von den Kliniken Südostbayern.

Vielen kommt die Grippewelle Mitte Januar etwas früh vor. Allerdings ging es mit den hohen Fallzahlen bereits Ende November los – laut LGL zwei bis drei Wochen früher als in beiden Vorjahren. Kurz vor Weihnachten 2025 waren es schon 3400 Krankheitsfälle. In der Vorsaison waren es zu diesem Zeitpunkt erst knapp 900, die Welle kam deutlich später.CARINA ZIMNIOK

Artikel 1 von 11