KOMMENTAR

Falsches Signal – und das zur Unzeit

von Redaktion

Schriftliches Dividieren

Man muss nicht künstlich aufgeregt gleich den Untergang des Abendlandes an die Wand malen, um den Schritt des niedersächsischen Kultusministeriums für falsch zu halten. Schriftliches Dividieren ist Bestandteil der Grundrechenarten – gut, dass es (wenigstens) in Bayern im Lehrplan der Grundschulen bleibt.

Zur Erinnerung: Beim jüngsten Pisa-Test 2022 ist Deutschland in Mathe abgesackt auf ein Niveau unter dem von 2000, als die erste Pisa-Studie Schockwellen auslöste. Für den jüngsten Leistungsabfall gibt es Gründe. Corona ist einer, die Social-Media-Überfrachtung möglicherweise ein zweiter. Auch der teils hohe Anteil von Flüchtlingskindern und die Inklusion von Kindern mit Behinderung sind Faktoren, die man ernst nehmen muss.

Die meisten allerdings nehmen den schleichenden Leistungsverlust in den Schulen eher achselzuckend zur Kenntnis. An das Mittelmaß hat man sich, so scheint‘s, gewöhnt. Besser wäre es, auf den Verlust an Wissen mit stärkerer Förderung zu reagieren (was natürlich kostspielig ist). Möglich wäre es auch, Mathe und Deutsch als Kernfächer schon in der Grundschule zu stärken. Die bayerischen Grundschulen sind zwar besser als im bundesdeutschen Schnitt. Aber auch hier hat sich die Politik, gedrängt von der CSU, zuletzt auf Nebensächlichkeiten kapriziert – Bewegungshalbestunden, Hymnen und anderes. Und zur Erinnerung auch dies: Als die Kultusministerin tapfer vorschlug, eine Stunde Religion an der Grundschule zugunsten von Kernfächern herauszunehmen, wähnte sich die CSU sogar im Kulturkampf und unterband das.

Die Frage, wie man Mathematik und Deutsch stärken kann, gehört zurück auf die Agenda. Es sind Topthemen. Als Antwort auf schlechtere Schulleistungen das Anforderungsniveau nach unten abzusenken, ist hingegen sehr bequem.

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