Wie geht‘s weiter für den Wolf?

von Redaktion

Bundesregierung diskutiert über neue Regeln – Naturschützer warnen vor zielloser Jagd

Über 200 Wolfsrudel gibt es mittlerweile in Deutschland. © Raimund Linke/epd

München – Neue Regeln für den leichteren Abschuss von Wölfen sind in Sicht – doch die Kontroverse bleibt. Während Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) die Reform für nötig hält, warnen Umweltschützer. Der Bundestag debattierte nun erstmals über die Pläne der Bundesregierung. Eine Entscheidung trifft er aber erst später.

„Wir haben mittlerweile über 200 Wolfsrudel in Deutschland“, sagte Rainer. „Wir haben mehr Wölfe auf die Fläche bezogen als Russland. Also es ist notwendig, dass wir hier einschreiten.“ Es gehe auch um die Halter geschädigter Weidetiere. „Es ist nicht nur der Riss. Es ist auch der wirtschaftliche Schaden, aber auch der emotionale Schaden, was das anbelangt.“

CDU/CSU und SPD wollen den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen, damit sogenannte Problemwölfe einfacher getötet werden können – wenn sie Zäune überwunden und Schafe getötet haben. Für Maßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde soll es weiterhin finanzielle Unterstützung geben.

Wo sich der Wolf in einem günstigen Erhaltungszustand befindet, also die Chancen für langfristigen Fortbestand in einem Gebiet gut stehen, sollen die Länder auch die Kontrolle der Bestände über die Jagd ermöglichen dürfen. Geplant ist eine Jagdzeit vom 1. Juli bis 31. Oktober. Zudem können sie Gebiete bestimmen, in denen die Jagd auf den Wolf erforderlich ist, weil Weidetiere sich dort schwer vor ihm schützen lassen, etwa mit speziellen Zäunen. Das kann auf Almen oder Deichen der Fall sein.

Für Zäune oder Herdenschutzhunde soll es auch weiterhin finanzielle Unterstützung geben, kündigte der Bundeslandwirtschaftsminister an. „Wir wollen in keinster Weise den Wolf ausrotten.“ Es brauche aber „jetzt aufgrund der Risse, die stattfinden, die Möglichkeit, den Wolf in einem bestimmten Zeitraum auch zu bejagen und Problemwölfe rechtssicher zu entnehmen“.

Der Deutsche Jagdverband fordert, den Wolf endlich wie andere Wildarten im Jagdrecht „ohne Sonderstatus“ zu behandeln. Der Verband schlägt vor, 40 Prozent der Jungwölfe von Juni bis Oktober im Rahmen von Abschussplänen sowie „Problemwölfe“ ganzjährig zu bejagen, wie es in einer Stellungnahme zur Bundestagsbefassung heißt.

Aus Sicht des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) tragen die geplanten Möglichkeiten zur leichteren Tötung von Wölfen hingegen kaum zum Schutz von Weidetieren bei. „Wissenschaft und Praxis zeigen, dass eine reguläre Bejagung des Wolfes weder signifikant Nutztierrisse senkt noch Weidetierhalter entlastet“, sagte Marie Neuwald vom Nabu. „Stattdessen könnte sie funktionierende Rudelstrukturen destabilisieren und somit das Risiko für weitere Übergriffe erhöhen“, betonte die Expertin.

Auch der WFF forderte andere Schwerpunkte. „Anstelle pauschaler Jagdregelungen brauchen wir dringend klare und schnelle Verfahren, um tatsächlich problematische Einzeltiere gezielt zu entnehmen und Schäden wirksam zu begrenzen.“ Derzeit scheitere das häufig an langen Genehmigungsverfahren und unklaren Zuständigkeiten. „Reißt ein einzelner Wolf wiederholt gut geschützte Nutztiere, kann es Wochen dauern, bis eine Entnahme erlaubt wird – mit der Folge weiterer Risse.“

Auch der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner warnte vor den Plänen. „Eine ziellose Jagd auf den Wolf bringt allerdings keineswegs mehr Sicherheit. Denn ungeschützte Herden sind auch dann bedroht, wenn nur wenige Wölfe da sind.“ Echte „Problemwölfe“ müssten schnell entnommen werden und Betriebe mehr Unterstützung beim Herdenschutz bekommen.DPA

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