Künftig mit Oberleitung fahren können die Züge zwischen Weilheim und Peißenberg. Derzeit verkehren dort noch die weiß-blauen Dieseltriebwagen der Bayerischen Regiobahn. © Wiucha
Fischen im Allgäu – Natur, gute Luft und Erholung. Dafür ist das Allgäu bekannt. „Das verträgt sich mit Diesel nicht so richtig“, erklärte Heiko Büttner, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern, am Donnerstag. Gemeinsam mit Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) unterzeichnete er in Fischen im Allgäu den „Planungsvertrag für Elektrifizierungen und Akku-Ladestationen“ in Schwaben und im westlichen Oberbayern. Berneiter bezeichnete das Großprojekt, für das der Freistaat „freiwillig in Vorleistung geht“ und rund 60 Millionen Euro in die Planung investiert, als „Meilenstein für emissionsfreien Bahnverkehr“. Bis 2040 sollen bayernweit alle dieselbetriebenen Züge aus dem Personenverkehr verschwinden und entweder einer Elektrifizierung oder hybriden Akkuzügen weichen.
In Westbayern sollen demnach 24 Diesellinien auf klimafreundliche Antriebe umgestellt und 103 Kilometer Schiene mit einer Oberleitung versehen werden. Die einzelnen Maßnahmen erfolgen „schrittweise“, erklärte der Verkehrsminister. Parallel wird auch in anderen Teilen des Freistaats das Ende des Dieselbetriebs eingeläutet, beispielsweise in Nordbayern, wo Bernreiter und Büttner schon vor einer Woche den Einsatz von Akkuzügen auf den Weg gebracht hatten. Im Hinblick auf die angestrebte „Dekarbonisierung“ des Bahnverkehrs seien die batteriebetriebenen Stromer aktuell die beste Lösung, betonte Bernreiter. Er ist kein Freund der recht störungsanfälligen Wasserstoffzüge, die seit einiger Zeit unter anderem auf der Ammersee- und Pfaffenwinkelbahn getestet werden.
Auch dort, zwischen Augsburg und Schongau, sollen künftig Akkuzüge zum Einsatz kommen. Und damit denen während der Fahrt der Saft nicht ausgeht, wird auf dem Abschnitt zwischen Weilheim und Peißenberg eine Oberleitung gebaut. Gleiches Spiel auch auf mehreren Linien in Schwaben. An diesen „Ladeinseln“ bekommen die laut Bernreiter „völlig neu konzipierten“ und mit Stromabnehmern ausgestatteten Batteriezüge die Möglichkeit, ihre Akkus während der Fahrt aufzuladen. Zwischen Augsburg und Oberstdorf sowie auf vier weiteren Strecken in Westbayern sollen derweil spezielle Fahrzeuge mit Neigetechnik verkehren.
Doch der Planungsvertrag geht noch über den Einsatz von Akkuzügen hinaus. Für die für den Fernverkehr wichtige Illertalbahn von Ulm bis nach Oberstdorf ist eine vollständige Elektrifizierung vorgesehen. Dies sei ein wichtiges Zeichen für die Tourismusregion, bemerkte Bruno Sauter, Bürgermeister der Gemeinde Fischen im Allgäu, und sprach von einem „Paukenschlag“ für seine Heimat.FLORIAN ZERHOCH