Wirt wütet über Hütten-Abzocke

von Redaktion

Zu teure Speisen: Tiroler macht Ärger im Internet Luft

Frisch oder tiefgekühlt? Eine Portion Kaiserschmarrn auf einer Berghütte. © Bihlmayer/pa

Tannheim – Hüttenwirt Tom Waibel (41) aus den Allgäuer Alpen hat genug von überzogenen Preisen auf Berghütten. In einem Instagram-Video, das bereits eine halbe Million mal angeklickt wurde, macht der Mann seinem Ärger Luft. Seine Botschaft: Einige Gastronomen in den Allgäuer und Tiroler Alpen würden ihre Gäste mit viel zu hohen Preisen abzocken.

„Lang habe ich es zurückgehalten“, beginnt der 41-jährige Wirt sein Video auf der Instagram-Seite der Fischerhütte Tannheim, die in Tirol kurz hinter der bayerischen Grenze liegt. Aber es habe zu sehr in ihm gebrodelt, das musste irgendwann raus. Was sich im Allgäu und in Tirol bei einzelnen Hütten abspiele, sei „eine Verarschung“. In seiner Wutrede führt Waibel aus, was aus seiner Sicht falsch läuft. Es könne nicht sein, dass das Angebot auf den Webseiten einiger Hütten als regional beworben werde und dann Tiefkühlware auf den Tisch komme.

Auf einer Hütte habe er sogar ein Schmalzbrot für 14,90 Euro gesehen. Auch die Preise für Getränke sorgen bei ihm für Aufregung: „Es kann nicht sein, dass 0,4 Liter Apfelschorle 5,90 Euro und mehr kosten.“ Einige Gastronomen würden auch das Bier für sechs oder sogar sieben Euro verkaufen. „Hört auf, die Leute zu verarschen, und kommt zurück zu den Basics!“, fordert er. Damit meint er ehrlich und fair kalkulierte Preise. Unserer Zeitung sagt er: „Wie soll das in fünf Jahren ausschauen? Acht Euro für die halbe Bier?!“

Auf der Wiesn wisse man schon vorher, dass es teuer wird und nehme das auch in Kauf. „Aber wenn du nach drei Stunden Wanderung mit zwei Kindern auf der Hüttn angekommen bist, dann kommst du nicht mehr raus aus der Nummer“, sagt er uns. Öffentlich wolle er niemanden „an die Wand stellen“. Doch: „Einige schwarze Schafe bringen die ganze Region in Verruf.“ Seriös kalkulierende Gastronomen seien die Opfer. Auch die Gäste würden unter solchen Praktiken leiden – etwa mit Tiefkühltruhen-Kaiserschmarrn für über 15 Euro.

In den Sozialen Medien erhält er viel Zuspruch. Aber auch ein paar kritische Anmerkungen, wozu er sagt: „Ein Argument ist zum Beispiel, dass man manche Hütten mit Hubschraubern beliefern lassen muss. Aber gerade die auf 3000 Metern Höhe zählen allesamt nicht zu den schwarzen Schafen“, stellt er klar.

Er startet einen Boykottaufruf. „Liebe Leute, kommt zu den Gastronomen, die fair und ehrlich kalkulieren!“ Bei ihm auf der Hütte koste ein halber Liter Spezi 3,80 Euro und ein Bier 4,50 Euro. Eine gemischte Brotzeit wird für 14,90 Euro angeboten, und Backhendl mit Pommes gibt es für 10,90 Euro.J. HÖNLE/M. BIEBER

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