Forsche Töne aus Bayern

von Redaktion

Ministerin Kaniber auf Grüner Woche: Keine Alternative zu Mercosur-Abkommen

Zwei Besucher am Stand von Verena Trax aus Polling bei Weilheim. Sie und ihr Mann besitzen 800 Bienenstöcke. © cm

Die Günztaler Alphornbläser spielen auf zur Freude von Bauernpräsident Rukwied, Bundesminister Rainer, EU-Kommissar Hansen, Messe-Chef Mario Tobias, Ministerin Kaniber und Berlins Regierendem Bürgermeister Wegner (v.li.) © dpa

Berlin – Diese Grüne Woche ist aus bayerischer Sicht ein ganz besonderes Schaulaufen in Berlin. Nicht nur, dass der Bayer Alois Rainer hier seine Premiere als Bundesagrarminister gibt – Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (beide CSU) präsentiert sich kämpferisch auf Bundesebene. Schließlich hat sie für dieses Jahr den Vorsitz der deutschen Agrarministerkonferenz übernommen. Und das in einer ausgesprochen schwierigen Lage der deutschen Landwirtschaft.

Gestern zum Start der Grünen Woche sparte die Ministerin nicht mit deutlichen Worten. Einerseits pocht sie auf eine stärkere finanzielle Unterstützung der Landwirte durch die EU: „Der Deutsche Bauernverband hat 500 Milliarden Euro für die Landwirtschaft im EU-Haushalt gefordert. Ich schließe mich dem an. Es kann nicht genug Geld geben, wenn es um die Ernährungssicherheit geht.“ Eine gute finanzielle Ausstattung der gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028 sei unverzichtbar.

Zugleich aber schrieb sie auch den Landwirten unmissverständlich ins Stammbuch, dass sie sich nicht weiter gegen das Mercosur-Abkommen mit Südamerika stemmen sollten. „Ich habe kein Verständnis für die massive Kritik des Bauernverbands. Wir laufen seit Jahren Sturm, weil unser Wohlstand gefährdet ist und heulen uns jetzt an, dass ein Handelsabkommen, das seit über 20 Jahren verhandelt wird, abgeschlossen werden soll?“, sagte sie. Was das Rindfleisch aus Südamerika, das über das Freihandels-Abkommen nach Europa kommen wird, betrifft, handele es sich um zusätzlich 99 000 Tonnen, die in Abstufungen über sechs Jahre hinweg geliefert würden. Bezogen auf die europäischen Bürger seien das 200 Gramm pro Kopf: „Und davor machen wir uns in die Hose? Das darf doch wohl nicht wahr sein.“ Europa brauche Partner und Freunde. Und: „Wir brauchen den Erfolg.“ Kaniber versicherte: Die vereinbarten Schutzklauseln lieferten klare Spielregeln. Europa sei kein zahnloser Tiger.

Beim Thema Weidepflicht gibt es wohl keine Hoffnung auf eine Ausnahmeregelung für Bayerns Bauern. Seit diesem Jahr müssen Ökobetriebe ihren Tieren während der Weidezeit Zugang zu Weideland gewähren. Bayern hatte versucht, eine Härtefallregelung für Betriebe zu erreichen, die bereits Ökobetriebe sind, aber aufgrund ihrer Lage etwa mitten im Dorf keine Chance für Weidehaltung haben. „Es wird keine Lex Bayern geben“, sagte die Ministerin.

Wie gut die Vernetzung Bayerns in der Agrarpolitik ist, zeigt, dass der offizielle Rundgang zur Eröffnung gleich zu Beginn in die Halle des Freistaats schwenkte. Bundesminister Rainer führte den Tross mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen, Bauernpräsident Joachim Rukwied und Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) in die bayerische Erlebniswelt mit Biergarten, Blasmusik, Bier und buntem Blumenschmuck. Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner kam auch wenig später auf den Balkon des Stands vom Landwirtschaftsministerium, um Gästen den Blick auf die prächtige Bayernhalle zu zeigen.

Wer durch die Halle 22b geht, in der 80 Aussteller einen Überblick geben über bayerische Köstlichkeiten wie Bier, Bratwürste und Bergkäse, kann zugleich Urlaubspläne schmieden. Die vier Tourismusverbände Oberbayern, Ostbayern, Franken und Allgäu-Schwaben laden das Berliner Publikum ebenso ein wie „Urlaub auf dem Bauernhof“-Anbieter. Das Herz der Berliner schlägt seit jeher für das bayerische Lebensgefühl. Eine Konstante auch nach 100 Jahren Grüne Woche.CLAUDIA MÖLLERS

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