Die Einfahrt zur Werdenfelser Kaserne in Murnau. © R. Lory
Murnau – Rechtsextreme Vorfälle bei der Bundeswehr gibt es immer wieder. Kürzlich hat sich die Bundestagsfraktion der Linkspartei bei der Bundesregierung erkundigt, welche Meldungen zu rechtsextremistischen Vorkommnissen und Vorfällen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den Dienststellen der Bundeswehr im Jahr 2024 bekannt geworden sind. Unter den 280 Meldungen befinden sich auch drei aus der Kaserne in Murnau.
In einem Fall vom 2. April 2024 soll ein Berufssoldat oder eine Berufssoldatin rassistische Parolen gesungen haben. Die Statistik enthält ein Feld, in dem steht, ob sich der Sachverhalt bestätigt hat. In dem besagten Fall heißt es: „offen“. Allerdings wurde ein gerichtliches Disziplinarverfahren eingeleitet. „Offen“ ist auch ein Vorkommnis vom 22. November 2024. Ein Zeitsoldat soll den Hitlergruß gezeigt, rassistische Äußerungen getätigt und nationalsozialistische Parolen verwendet haben. Er wurde entlassen. Über einen dritten Fall hatte unsere Zeitung im Sommer 2024 berichtet. Eine Passantin entdeckte damals einen Stuhl auf dem Militärareal, auf dem Runen eingeritzt waren. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, stellte das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen aber ein. „Verwendet wurden die Zeichen offensichtlich in der Annahme, dass es sich um alte germanische Schriftzeichen handele“, hieß es. Die Eigentümerin des Stuhls ist Teil der Mittelalter-Szene.
Zu Nachfragen bezüglich Alter und Dienstgrad der betroffenen Personen sowie zum Ergebnis des Disziplinarverfahrens erteilt die Bundeswehr keine Auskunft und beruft sich auf die Wehrdisziplinarordnung. Über strafrechtliche Konsequenzen ist nichts bekannt.ROY