Drei Lawinen – acht Tote

von Redaktion

Schwarzes Wochenende in Österreich: Alpenvereinskurs betroffen

An diesen drei Stellen gingen die Lawinen am Samstag ab.

An der Schmugglerscharte wurde eine Skitourengeherin verschüttet und starb. © Bergrettung Salzburg

Einsatz im Großarltal: Sieben Tourengeher wurden am Finsterkopf von einer Lawine erfasst. © Bergrettung Salzburg

Salzburg – Bergretter Gerhard Kremser ist ratlos. Seit Tagen wird vor der heiklen Lawinen-Situation in den Alpen gewarnt – und dennoch brechen viele zu einer Skitour auf. „Ich weiß nicht, was da in den Köpfen passiert“, sagt der Bezirksleiter der Bergrettung Pongau. Für acht Menschen endete am Wochenende ihre Skitour in den österreichischen Alpen tödlich. Sie wurden von Schneebrett-Lawinen begraben und sind wohl binnen kürzester Zeit unter den Schneemassen erstickt.

Es war das bisher tödlichste Lawinen-Wochenende in den Alpen in dieser Saison. Die drei Schneebretter gingen in Österreich nieder. Bereits am Freitag starb ein Deutscher bei einer Skitour am Piz Badus in der Schweiz durch eine Lawine.

Sieben Tourenführer bei Kurs verschüttet

Vom folgenschwersten Unglück war eine Kursgruppe des Alpenvereins betroffen. Der Kurs habe im Rahmen eines regulären Winterausbildungsprogramms des Österreichischen Alpenvereins stattgefunden, teilt die Organisation mit. „Es war ein mehrtägiger Kurs für Tourenführer, der von einer Bergführerin geleitet wurde. Alles sehr erfahrene Leute“, sagt der Sprecher des Alpenvereins, Gerald Zagler. Bei dem Unglück im Großarltal wurden am frühen Samstagnachmittag vier der sieben Kursteilnehmern getötet, drei Männer im Alter von 53, 63 und 65 Jahren sowie eine 60-jährige Frau.

„In unseren Kursen stehen Risikokompetenz und Sicherheitsbewusstsein an oberster Stelle. Dieses Unglück schmerzt zutiefst“, sagt Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport des Österreichischen Alpenvereins. Die Organisation stehe in engem Kontakt mit den Behörden sowie den Familien der Opfer. „Die alpine Gemeinschaft trauert mit den Angehörigen“, sagt Wolfgang Schnabl, Präsident des Österreichischen Alpenvereins.

Bei Bad Hofgastein wurde kurz zuvor eine 58-Jährige bei einer Skitour vor den Augen ihres Mannes von einer Lawine erfasst. Auch in diesem Fall konnte der Notarzt nur noch den Tod feststellen. Im Bundesland Steiermark wurden im Raum Murtal drei Männer aus Tschechien unter einer Lawine verschüttet. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Ihre Leichen sollten am Sonntag geborgen werden.

Die Schneebrett-Lawinen des Wochenendes sind nicht vergleichbar mit den Staub-Lawinen, die über eine lange Strecke ins Tal donnern. Oft gerät eine überschaubare Fläche von der Größe eines Fußballplatzes oder weniger ins Rutschen. „Es sind oft nur wenige Meter zwischen Leben und Tod“, sagt Gerhard Kremser.

Es reichen auch kleinere Schneemassen aus, Menschen zu verschütten. Ohne Atemhöhle drohe binnen weniger Minuten der Tod durch Ersticken. Die aktuell in Österreich verbreitet geltende Lawinenwarnstufe 3 sei besonders tückisch, sagt der Bergretter weiter. Sie erwecke den Eindruck, dass die besonders gefährlichen Stufen vier und fünf noch nicht erreicht seien. Dabei steige vor jeder Stufe die Gefahr um das Doppelte. Die Warnstufen vier und fünf ließen viele Tourengeher ohnehin zögern.

Bergretter warnen vor schlechter Unterlage

Die Schneedecke sei sehr instabil. Der Altschnee sei gefroren, und auf diese Schicht seien vor rund einer Woche 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee gefallen, sagt Kremser. Beide Schichten hätten praktisch keine Verbindung. Zudem habe sich viel Triebschnee angesammelt. „Die Schneeunterlage ist diesmal ganz schlecht.“

Wie der Lawinenwarndienst schreibt, kann das Gewicht eines einzelnen Skifahrers ausreichen, ein Schneebrett auszulösen. „Lawinengefährdete Gebiete befinden sich in allen Ausrichtungen oberhalb von etwa 2000 Metern“, heißt es auf der Website. „Sie sind selbst für das geübte Auge kaum erkennbar.“

In Bayern ist die Lage laut Lawinendienst derweil weniger angespannt. Oberhalb von 1600 Metern bestehe mäßige Gefahr vor allem durch Altschnee, besonders in schneereichen Ost- und Nordhängen. Unterhalb von 1600 Metern sei die Lawinengefahr gering.DPA/MM

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