Fit mit Vorsatz

von Redaktion

Zum Start ins neue Jahr setzten sich viele sportliche Ziele – aber wie hält man durch?

Hanteltraining vorm Spiegel: Ein Sportler im „clever fit“-Studio in Schongau.

Kennt die Neujahrsvorsätze: Studioleiter Benedikt Herb.

Zurück an den Geräten: Elvira Piehler (77, v. re.), Rosemarie Trunk (85) und Monika Winkler (74) wollen zusammen mit Trainerin Andrea zu alter Stärke finden. © Hans-Helmut Herold (3)

Schongau – „In diesem Jahr fange ich mit dem Sport an.“ Wenn an Silvester die Sektgläser klirren und Raketen den Nachthimmel erleuchten, dann geht dieser Satz vielen Menschen ganz locker über die Lippen. Steht tags darauf aber die erste Runde in den neuen Laufschuhen oder der erste Besuch im Fitnessstudio an, kommen sie plötzlich wieder aus ihren Löchern gekrochen, die ewigen Zweifel. Und schon ist er wieder aus, der Traum von der „Strandfigur“. Dann eben im nächsten Jahr – ganz bestimmt.

Einer, der das alljährliche Spiel nur zu gut kennt, ist Benedikt Herb, Leiter des Fitnessstudios clever fit in Schongau. Kaum ist das Knallen der Silvesterböller verklungen, da beginnt bei ihm der Ansturm auf die Trainingsgeräte. „Das merkt man schon“, sagt der 27-Jährige schmunzelnd. Der seit Corona anhaltende Fitnesstrend ist im Landkreis Weilheim-Schongau längst nicht abgeflaut. Ganz im Gegenteil. Allein in den ersten zwei Januarwochen kann Herb 40 Neuanmeldungen verbuchen. Die Ziele der Einsteiger sind vielfältig und reichen von „ein paar Kilo weniger auf den Hüften“ bis zum angesagten „Hybridathleten“. „Wir sind kein Hardcore-Bodybuilding-Studio“, merkt Herb an. In Schongau komme jeder zum Zug. Doch der Studioleiter weiß: Mit der Anmeldung sind die sportlichen Ziele noch lange nicht erreicht. Fortan ist Disziplin gefragt. In den ersten acht bis neun Wochen des Jahres ist der Andrang am größten, sagt Herb. Erfahrungsgemäß zeige sich erst danach, wer es wirklich ernst meint mit seinen Neujahrsvorsätzen. Rund 50 Prozent derjenigen, die sich zu Jahresbeginn angemeldet hatten, „kommen Ende Februar schon nicht mehr regelmäßig zum Training“, beobachtet Herb.

Doch warum hören so viele wieder auf? Der Studioleiter kennt das Problem. Nach zwei Wochen Training sieht man eben (noch) nicht aus wie Arnold Schwarzenegger. „Die Fortschritte sind oft kleiner als gedacht“, sagt Herb. Und genau das macht vielen Anfängern zu schaffen. „Langsam anfangen, keine zu großen Ziele setzen“, rät der 27-Jährige dann. „Es ist wichtig, regelmäßig im Studio aufzutauchen“, betont er und empfiehlt, die eigenen Erwartungen etwas herunterzuschrauben. Am Anfang gelte es erst einmal, eine Routine zu entwickeln und nicht schon am ersten Tag 100 Kilogramm drücken zu wollen. Gleichzeitig dürfe der Fitnessgedanke nicht an der Studiotür enden. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss auch im Alltag auf seinen Körper achten. Eine gesunde Ernährung gehöre da genauso dazu wie regelmäßige Spaziergänge, erklärt Herb. Es kommt eben auch auf die kleinen Dinge an.

Dass sich in den Abendstunden aktuell bis zu 70 Sportler an den Geräten im clever fit tummeln, hängt derweil nicht nur mit dem Schnupperangebot zu Neujahr zusammen, sondern auch mit den zahlreichen Möglichkeiten für Arbeitnehmer wie Wellpass oder Hansefit, erklärt Herb. Insbesondere von den großen Firmen im Umland, die derartige Sportangebote haben, kämen viele Mitarbeiter in sein Studio, um an Kraft- und Ausdauergeräten kostenlos zu trainieren. Das lockt. Einen Aufnahme-Stopp gibt es bislang aber nicht, versichert der Studioleiter.

Wer einen Blick in den 450 Quadratmeter großen Trainingsbereich in Schongau wirft, erkennt sofort: Das Publikum ist bunt gemischt. Während auf der einen Seite zwei junge Männer ihre Kurzhanteln stemmen, hat ein paar Meter weiter eine Gruppe Seniorinnen ihr Zirkeltraining beendet. „Die Motivation ist wieder da“, sagt Monika Winkler (74) und strahlt. Sie ist am Dienstag zum ersten Mal seit 20 Jahren im Studio. Das Ziel: ihr Fitnessstand von damals. „Die Atmosphäre im Studio spielt eine große Rolle“, sagt sie und schaut zum Cardio-Bereich hinüber, wo ihre Leidensgenossinnen auf Laufbändern und Steppern gerade ordentlich schwitzen. Ihre Freundinnen Rosemarie Trunk (85) und Elvira Piehler (77) haben die Zirkelübungen ebenfalls durchgestanden und schnaufen erleichtert durch. „Wir machen das, was wir können“, sagt Rosemarie Trunk, die am Vormittag immer wieder Respektsbekundungen zu hören bekommt. Es kommt eben nicht auf das Alter an, sondern auf die richtige Einstellung.FLORIAN ZERHOCH

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