„Na, Waldemar, warst du wieder im Dorf, um bei den Zweibeinern fernzusehen?“, fragte ich den Waschbären, als er gestern früh zu uns getrottet kam. Waldemar nickte. Aber Klara war verwundert. „Was, du hast mitten in der Nacht ferngesehen?“, quakte sie. „Gerade sind die Australian Open“, schnatterte Agnes. „Das ist ein Tennis-Turnier in Australien. Und wenn ein Match in Melbourne dort vormittags um 11 Uhr beginnt, ist es bei uns noch zehn Stunden früher, also 1 Uhr nachts. Hast du ein spannendes Spiel zu sehen bekommen?“, schnatterte sie in Richtung unseres Waschbärfreundes. Aber der gähnte nur. „Weiß nicht“, brummte er. „Immer hieß es: ‚fifteen‘, ‚thirty‘ oder ‚thirty love‘. Ich hab’s nicht kapiert.“
Agnes wusste Bescheid. „Im Tennissport wird nicht eins, zwei, drei gezählt. Die Zählweise mit 15, 30 und 40 geht vermutlich zurück auf ein Spiel namens Jeu de Paume, das man früher in Frankreich spielte und bei dem ein Ball mit der Handfläche geschlagen wird. Vor etwa 400 Jahren spielte man meist um Geld. Einsatz 15 Deniers – die damalige Währung – pro Punkt. So kommt man zu 15, 30, und 45. Aus der 45 wurde eine 40, vielleicht, weil es leichter auszusprechen war. Eine andere Erklärung lautet, dass der Spieler, der einen Punkt erzielt hat, immer eine Linie vorgerückt ist. Und zwar von der 15-Zoll-Linie bis zur 45-Zoll-Linie. Man weiß nicht, welche Geschichte stimmt.“ „Und was bedeutet ‚Love‘?“, fragte Waldemar. „Es steht für die Null“, quakte Agnes.
Eure Paula