von Redaktion

Am See war es klirrend kalt. Die Luft roch nach Schnee, und am Ufer knirschte das Gras wie Zucker. Ich bemerkte, dass ein Teil des Sees mit einer dünnen Eisschicht überzogen war, wie Glas. In der Mitte glitzerte noch eine freie Stelle, dunkel und ruhig. Das Wasser war kalt und klar. Am Ufer hockte ein Rotkehlchen auf einem kahlen Ast. „Du bist ja mutig!“, piepste es. „Ins Wasser bei dieser Kälte? Ich friere schon beim Zuschauen!“

Ich kicherte nur und suchte weiter nach meinem Frühstück. Ab und zu tauchte ich den Kopf unter, wühlte mit den Füßen am Grund und hoffte auf ein paar Pflanzenreste. Als ich wieder an die Oberfläche kam, fragte mich das Rotkehlchen: „Paula, sag mal ehrlich: Warum friert ihr Enten nicht? Das Wasser ist doch fast gefroren! Und warum fliegen so viele andere Vögel in den Süden, nur ihr bleibt hier?“ Das war eine gute Frage. Also schnatterte ich los: „In unseren Beinen steckt ein genialer Trick. Warmes Blut fließt vom Körper nach unten, kaltes Blut von den Füßen nach oben. Dabei tauschen die Adern unterwegs Wärme aus. So bleibt der Körper warm, und die Füße sind zwar kühl, aber nicht eiskalt. Das nennt man das Gegenstromprinzip.“ Das Rotkehlchen wurde neugierig. „Also… sind deine Füße kleine Wärmesparer?“ „Ganz genau“, nickte ich. „Wir Enten verlieren kaum Energie ans kalte Wasser. Und unser Gefieder tut den Rest: Zwischen den Federn sitzt Luft, wie in einer Jacke der Zweibeiner. Darum bleiben wir trocken und warm, selbst wenn’s draußen friert.“

Eure Paula

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