Gar nicht so dumm!

von Redaktion

Forscher zeigen: Kuh nutzt Werkzeuge zum Kratzen

Kuh Veronika nutzt lange Objekte, um sich zu kratzen. © Mascaró/dpa

Wien/München – Mit ihrer langen Zunge greift Kuh Veronika einen Schrubber und kratzt sich ausgiebig: Mit dieser Eigenart hat die Kuh das Interesse von Biologen geweckt. Diese haben nach eigenen Angaben erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein Hausrind gezielt ein Werkzeug einsetzen kann. Im konkreten Fall nimmt Veronika lange Objekte ins Maul und kratzt sich damit am Körper.

Die kognitiven Fähigkeiten von Nutztieren würden oft unterschätzt, schreiben Alice Auersperg und Antonio Osuna Mascaró von der Veterinärmedizinischen Universität Wien in ihrer Studie, die im Fachjournal „Current Biology“ erschienen ist. „Wir verwenden den Begriff ,dumme Kuh‘, weil wir diese Tiere nur aus dem Blickwinkel der Verwertung betrachtet haben“, sagte die aus Bayern stammende Auersperg. Die Biologin ist die Tochter von Luitpold Prinz von Bayern.

Kuh Veronika muss jedoch weder Milch produzieren, noch ist sie für den Metzger vorgesehen. Sie lebt als Haustier bei einem Biobauern und Bäcker im Süden Österreichs. Nachdem Auersperg ein Buch mit dem Titel „Der Erfindergeist der Tiere“ veröffentlicht hatte, berichteten ihr zahlreiche Menschen über Tiere mit besonderen Verhaltensweisen. Unter anderem erhielt sie ein Video von Veronika. Auersperg und Osuna Mascaró überprüften daraufhin die Fähigkeiten der Kuh in einem Experiment.

Die Forscher fanden heraus, dass Veronika seit etwa neun Jahren heruntergefallene Äste oder auch Rechen von selbst in den Mund nimmt, um sich zu kratzen. Für das Experiment wurde Veronika ein Deckschrubber – eine langstielige Bürste – in verschiedenen Positionen hingelegt. Es zeigte sich, dass sie gezielt das Ende des Stiels ins Maul nahm, um den Kopf seitlich nach hinten zu biegen und so mit der Bürste den Rücken zu erreichen.

„Veronika ist kein Einstein unter Kühen“, sagte Osuna Mascaró. Sie habe einfach das Glück, als Haustier in einer anregenden Umgebung aufgewachsen zu sein. Osuna Mascaró und Auersperg gehen davon aus, dass alle Kühe solche Fähigkeiten entwickeln könnten. Jetzt wollen sie herausfinden, welche Faktoren solches Verhalten begünstigen. Und sie hoffen, dass sich Menschen bei ihnen melden, die Kühe oder Nutztiere mit Werkzeug-Begabungen beobachtet haben. Denn die Forscher vermuten, dass die Fähigkeit weiter verbreitet ist, als sie bislang dokumentiert wurde.DPA

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