INTERVIEW

Ex-Profi will in Gemeinderat

von Redaktion

Andreas Görlitz spielte bei Bayern, nun lockt die Dorfpolitik

Einsatz für die Roten: Görlitz spielte ab 2004 bei Bayern. Zuvor waren die Löwen in die zweite Liga abgestiegen. © imago

Andreas Görlitz lebt mit seiner Familie im 1800-Einwohner-Ort Rott. Er spielt in einer Band und produziert Videos.

Rott – Er hat beim TSV 1860 München gespielt, beim FC Bayern und sogar bei der Fußballnationalmannschaft kam er zum Einsatz: Andreas Görlitz (43) war Fußballprofi. Nach seiner Karriere, die er beim US-Verein San José Earthquakes beendete, kehrte er zurück zu seinen Wurzeln – nach Rott im Kreis Landsberg. Dort hat er als Siebenjähriger mit dem Kicken angefangen, jetzt strebt der gebürtige Weilheimer eine neue Karriere an: Er will Gemeinderat werden und tritt bei der Wahl im März an.

Warum wollen Sie Gemeinderat in Ihrem Dorf werden?

Das ist eine ganz lustige Geschichte. Ein aktueller Gemeinderat hat sich nach Kandidaten umgeschaut und meine Frau angesprochen. Ich kenne den ganz gut, er dachte wohl, dass er mich gar nicht erst fragen braucht. Aber ich bin so auf die Idee gekommen, mich aufstellen zu lassen, um für unseren Ort aktiv Ideen einzubringen.

Welche Ziele hätten Sie als Gemeinderat?

Ich bin Familienvater, meine Töchter sind fünf und sieben. Wir haben eine super Schule bei uns um Ort, ich will mich dafür einsetzen, dass der Standort erhalten bleibt. In unserem Dorf gibt es viele Vereine, die Unterstützung brauchen. Und natürlich, ganz großes Thema: Möglichkeiten für die Jugend. Das geht bei Spielplätzen für die Kleinen los, da können wir uns auf jeden Fall verbessern. Und auch im Ortskern wäre es schön, wenn es dort wieder Treffpunkte für alle geben würde. Eine Gemeinde hat aber natürlich ein begrenztes Budget.

Sehen Sie Chancen?

Bei der Aufstellungsversammlung unserer „Dorfgemeinschaft Rott“ ging es mir erst mal darum, es auf die Liste zu schaffen – jetzt bin ich auf Platz 4 und hoffe, nach der Wahl Teil des Gemeinderats zu sein.

Na ja, Sie sind ja schon ein Promi – oder gilt der Bonus in Ihrem Heimatdorf nicht?

Klar kennen mich viele noch aus meiner Zeit als Fußballprofi. Aber ich bin in Rott aufgewachsen, das ist meine Heimat. Und die will ich auch mitgestalten. Seit Sommer trainiere ich die Herrenmannschaft beim TSV Rott, vielleicht klappt es ja auch mit dem Gemeinderat.

Welche Erfahrungen aus dem Fußball könnten Ihnen als Gemeinderat nutzen?

Der Teamgedanke. In einer Mannschaft wird auch mal gestritten, aber man muss Klartext reden und darf nichts unter den Teppich kehren. Es muss demokratische Entscheidungen geben, um die Wünsche unter einen Hut zu bringen. Und ich will meine Erfahrungen einbringen, die ich während meiner Laufbahn sammeln durfte.

Ihre letzte Station als Fußballprofi war in den USA. Hatten Sie danach genug von der weiten Welt?

Ich habe damals die Doppelhaushälfte neben meinen Eltern gekauft, seit 2014 bin ich zurück. Ich wusste schon immer, dass ich in Rott leben will. Ich bin sehr heimatverbunden. Ich mag die Leute, die Natur, die Landschaft, die Seen vor der Tür. Je älter man wird, desto mehr steigt das Bedürfnis nach dem Vertrauten. Meine Töchter sind jetzt im Trachtenverein, das hätte ich nie gedacht. Die Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft im Dorf ist einfach toll. Feuerwehr und Schützenverein haben im letzten Jahr ein riesiges Fest organisiert, es war superschön zu sehen, wie eine Gemeinschaft das stemmen kann.

Sie treten für die „Dorfgemeinschaft Rott“ an. Wo stehen Sie politisch?

Ich würde sagen Mitte links. Aber bei uns im Dorf spielt das keine große Rolle, da gibt es zwei Listen, die je 12 Kandidaten zur Wahl stellen. Allen geht es aber hoffentlich um das Wohl der Gemeinde.

Haben Sie ein politisches Vorbild?

Ich mag keine Politiker, die andere schlechtmachen. Klar muss man manchmal mit den Ellbogen kämpfen, das kenne ich aus dem Sport. Aber trotzdem gibt es Regeln. Vom Stil her fand ich Robert Habeck immer angenehm.

Viele Gemeinden tun sich schwer, Kommunalpolitiker zu finden. Einige haben aufgehört, weil sie angefeindet wurden. Haben Sie davor Angst?

Ich persönlich habe keine Angst, aber es ist schlimm, wenn die Entwicklung so weit geht. Bei uns gibt es zum Glück einige Personen, die sich der Verantwortung stellen. Was man nicht vergessen darf: Die Leute opfern ja ihre Freizeit, das ist ein Ehrenamt. Ich kann daher schon nachvollziehen, dass zum Beispiel ein Bürgermeister sagt, das wird mir zu viel. Ich bin einiges gewohnt – ich bin schließlich von 60 zu Bayern gewechselt (lacht).

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