Eine Lehrerin mit Schüler im Klassenzimmer. © TECHT/pa
Wien/München – Neulich sagte Wiens Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling einen Satz, über den Schüler staunten. Neun Wochen Sommerferien seien eine „Katastrophe“, ein viel zu langer Zeitraum, „in dem die Struktur fehlt“. In den Ferien reiße man sich „Bildungsdefizite“ auf und Betreuungsprobleme. Jetzt macht Emmerlings Partei, die Neos, Ernst: Die Sommerferien werden für viele Schüler verkürzt.
Unter der Regie von Österreichs Bildungsminister Christoph Wiederkehr, ebenfalls Neos, wird 2026/27 in zwei Schritten eine verpflichtende zweiwöchige Sommerschule für weit über 50 000 Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen eingeführt. Das hat der Nationalrat gestern so beschlossen. Die Koalition aus konservativer ÖVP, Sozialdemokraten und liberalen Neos sieht darin ein Instrument der Integrationspolitik, denn betroffen sind vor allem Kinder aus dem Familiennachzug aus Syrien. In der Großstadt Wien konnte zum Start dieses Schuljahres ein Fünftel der Grundschüler nicht ausreichend Deutsch.
Bisher war die Sommerschule (in Deutsch, Englisch oder Mathe) freiwillig. Nun sind bei Verweigerung Geldstrafen von bis zu 1000 Euro möglich – Verletzung der Schulpflicht. Die nötigen Lehrer, eine grob geschätzt hohe vierstellige Zahl, müssen dafür noch gewonnen werden. Laut Wiederkehr sollen künftig auch pensionierte Lehrkräfte einspringen, Studenten sowie Spezialisten für Deutsch als Fremdsprache. Notfalls will er Lehrer verpflichten.
In Bayern (sechs Wochen Sommerferien) gibt es keine Pflicht-Angebote für Schüler mit mangenden Deutschkenntnissen und nach Angaben des Kultusministeriums derzeit auch keine Planungen dazu.CD