Die Rossnarrischen von Parsberg

von Redaktion

Am Sonntag steigt im Kreis Miesbach das traditionelle Pferdeschlittenrennen – Tausende Zuschauer erwartet

Ein echter Besuchermagnet: Spielt das Wetter mit, kommen Tausende zum Pferdeschlittenrennen nach Parsberg. Wie hier vor zwei Jahren. © Christian Scholle

Parsberg – Es ist eine heile Welt, die sich vor Jakob Schwarz und Florian Heiss ausbreitet. Weiß glitzernde Hügel so weit das Auge reicht, dazwischen dunkle Fichtenwälder und im Hintergrund reckt der Wendelstein stolz seine felsige Gipfelkuppe in den wolkenlosen Himmel. Wollte man einen Heimatfilm drehen, wäre man auf dem beschaulichen Hof zwischen Miesbach und Irschenberg an der richtigen Adresse. Doch die beiden Männer mit Trachtenhut sind keine Schauspieler. Einen Film drehen wollen sie auch nicht. Dafür hätten sie momentan auch gar keine Zeit. Denn die zwei sind voll im Rennfieber. Am Sonntag ab 13 Uhr lockt das traditionelle Pferdeschlittenrennen wieder viele Schaulustige in ihren Heimatort Parsberg, vor zwei Jahren waren 3000 Zuschauer vor Ort. „Bei gutem Wetter darennen‘s dich“, scherzt Heiss.

Was einige Handwerker und Bauern mit der Gründung des „Rennverein Parsberg“ vor 61 Jahren ins Leben gerufen hatten, hat sich inzwischen zur größten Veranstaltung in dem „rossnarrischen“ Dorf im Kreis Miesbach gemausert. 19 Rennen stehen am Wochenende auf dem Plan. Nicht nur bei den Pferdeschlittenrennen jagen Kaltblüter, Haflinger und Oberländer über das rund 500 Meter lange Oval. Wer es ein wenig waghalsiger mag, stellt sich auf seine Brettl und lässt sich von den tierischen Muskelprotzen über den Schnee ziehen: „Skijöring“ nennt sich der Sport im Fachjargon. Wer ihn ausübt, sollte wissen, was er tut. „An gewissen Schneid braucht‘s schon“, bemerkt Heiss. Heimlicher Liebling der Zuschauer sind aber die Ponys. „Die gefallen ihnen immer am besten.“

Gleichwohl weiß der Vereinsvize, dass die Welt nicht nur aus Liebhabern von Pferderennen besteht. Und so beschäftigt sich auch Florian Heiss mit dem Tierschutz. Leiden würden die Pferde, die in Parsberg an den Start gehen, auf keinen Fall, betont er. Die Tiere seien an Leonhardi oder beim Wiesnumzug in München dabei und die Belastung gewohnt. Seine Pferde Tag ein, Tag aus nur in den Stall zu stellen, das kommt für Florian Heiss nicht in Frage. „Für das sind sie doch nicht auf die Welt gekommen“, sagt er.

Mehr als hundert Anmeldungen für das Event am Sonntag hat Jakob Schwarz bekommen. Selbst aus Dachau und dem Pfaffenwinkel reisen die Starter an. Der 1. Vorsitzende kann sich gar an einen Rosserer aus Mindelheim erinnern. Ein Großteil der Namen tauche immer wieder auf der Startliste auf. „Es hat sich schon herauskristallisiert, wer gut drauf ist.“

Doch so groß die Vorfreude auch ist, im Zeitalter des Klimawandels und der Schneearmut wird es für die Parsberger nicht leichter, ihre Großveranstaltung auf die Beine zu stellen. „Früher war‘s einfach beständiger“, sagt Heiss. Es gab sogar Jahre, in denen es so viel geschneit hatte, dass sie das Rennen verschieben mussten.

Einmal allerdings, erzählt Heiss, hatten sie besondere Not und verzweifelt versucht, die Strecke am Leben zu halten. „Da haben wir wie die Wilden Breznsalz organisiert“, erzählt er lachend. Das hatten sich die Parsberger von Skipistenbetreibern abgeschaut. Wirklich erfolgreich waren sie mit ihrer Mission aber nicht. „Am Schluss war auf der Strecke nicht mehr viel Weißes vorhanden“, erinnert sich Schwarz und grinst. „Aber der Enthusiasmus war da.“

Eigentlich sollte das Rennen schon vor einer Woche stattfinden. Doch das Tauwetter machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Aufgeben wollte in Parsberg aber niemand. „So etwas gibt es einfach nicht mehr oft. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal“, betont Heiss. Das Rennen findet statt, sagt Schwarz – „so wie immer“. Dafür sorgen auch die rund 40 Helfer, die eifrig Stangenzäune aufbauen, Maulwurfshügel planieren und den Schnee auf der Strecke bearbeiten. Eine „schlagkräftige Truppe“, lobt Heiss.

Am Freitag stehen nur noch die Restarbeiten an, dann ist es angerichtet. Nur zwei Tage Regenwetter könnten das Event noch ins Wanken bringen. Doch danach sieht es nicht aus. Es läuft „ganz nach Plan“, sagt der 1. Vorsitzende gelassen.

Ganz nach Plan läuft derweil auch das Training vor dem Hof, wo Kathi Huber im Schlitten und Sophie Heiss im Sattel mit ihren Stuten Fanny und Priscilla ein wildes Muster aus Schlittenspuren und Hufabdrücken in den Schnee zaubern. „Meine Tochter hat ein braveres Pony bekommen als ich damals von meinem Vater“, sagt Florian Heiss augenzwinkernd, steckt die Hände in die Hosentaschen und blickt hinaus in die heile Welt in Weiß.FLORIAN ZERHOCH

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