Klausur mit Segen

von Redaktion

Kardinal Marx und Ski-Star Neureuther bei den Grünen

Austausch erwünscht: Kardinal Marx (r.) und Ski-Star Neureuther mit Grünen-Fraktionschefin Schulze. © Mörk/Grüne

München – „Das große gemeinsame Lagerfeuer gibt es nicht mehr“, stellt die Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze fest. Orte, an denen sich Menschen mit unterschiedlicher Meinung treffen und auch trefflich streiten können. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft schwindet. Zum Beginn der Klausurtagung der Landtagsfraktion haben die Grünen sich um ein kleines Lagerfeuer versammelt und zwei Gäste zum Stammtischgespräch auf den Nockherberg eingeladen: Kardinal Reinhard Marx und den früheren Skirennläufer Christian Neureuther. Einfach um auszuloten, wie wieder mehr Zusammenhalt möglich ist. Vielleicht auch, um ein wenig in der Sphäre der CSU zu wildern.

Ganz ohne kleinen Seitenhieb auf Bayerns Ministerpräsidenten kann Katharina Schulze den Kardinal dann auch nicht vorstellen. „Obwohl Markus Söder Sie aus der gesellschaftlichen Debatte manchmal lieber raushalten möchte: Wir finden es gut, dass Sie laut und deutlich Ihre Stimme erheben“, schmeichelt sie dem Kardinal. Marx wie auch Neureuther lassen sich aber nicht grün vereinnahmen, sondern diskutieren lebhaft über die Lage der aufgewühlten Welt. Über einen US-Präsidenten, vor dem die Welt wie vor einem Mafia-Paten auf die Knie geht. Kardinal Marx fühlt sich gar an den Film „Der Pate“ erinnert. Über die Zwänge des Handys, das die Menschen vereinzelt und zu Vasallen macht. „Ich hab schon drei neue Frauen und bin gestorben“, empört sich Neureuther über die Fake News, die über ihn verbreitet werden. Der Kardinal sieht hier die Politik gefordert: Die Plattformen müssten reguliert werden. Das passt zum politischen Programm der Grünen, die auch verpflichtende Digitalkunde an den Schulen fordern, um die Kompetenz der Schüler zu stärken. „Hass und Hetze im Netz müssen konsequent verfolgt werden“, fordert Schulze.

Hier sind plötzlich versöhnliche Töne in Richtung CSU zu hören. Schulze lobt in der Tat Entscheidungen der Staatsregierung zur Eindämmung des Wildwuchses im Internet. Und erklärt später: „In dieser aufgeheizten Welt brauchen wir einen Schulterschluss der Demokratinnen und Demokraten.“ Die Grünen im Landtag würden daher „Anträgen und Gesetzentwürfen der Regierung zustimmen, wenn wir sie inhaltlich für richtig halten“. Nicht ohne anzumerken: „Andersrum ist das leider noch nicht der Fall“. Schulze will aber mit gutem Beispiel vorangehen. Als Zeichen dafür, dass es heute mehr Zusammenhalt unter den Demokraten braucht, gerade in der Auseinandersetzung mit Extremisten.

Zeigen wollen die Grünen auch, „dass man mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann“. Worauf Kardinal Marx mit breitem Lachen reagiert: „Ja, Grün und Schwarz beisammen!“ – wo jeder weiß, dass Markus Söder die Zusammenarbeit mit den Grünen scheut wie der Teufel das Weihwasser. Einig sind sich alle drei darin, dass die weitere Spaltung der Gesellschaft verhindert werden muss. Und dass alle drei Anzeichen für eine Gegenbewegung erkennen: Raus aus der Vereinzelung, wieder mehr Lagerfeuer. CLAUDIA MÖLLERS

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