Neue Fahrzeuge für die Retter

von Redaktion

Hilfe in Notfällen soll noch effektiver werden – Positive Bilanz für Pilotprojekt

Die neuen Rettungseinsatzfahrzeuge werden in fünf Landkreisen unterwegs sein. © Balk/BRK

München – Robert Augustin war zwölf Jahre hauptamtlich im Rettungsdienst tätig. Heute ist er Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes. Und gestern war ein Tag, an dem er sich insgeheim dachte: leider. Denn Bayerns Notfallsanitäter sind gestern mit sechs neuen Rettungseinsatzfahrzeugen ausgestattet worden. Sie sollen den Rettungsdienst künftig entlasten. „Ich wäre gerne eines dieser Fahrzeuge gefahren“, sagt Robert Augustin bei der Übergabe der Mercedes Vitos in München. Aber auch für ihn als BRK-Landesgeschäftsführer war das gestern ein ausgesprochen guter Tag. Denn er weiß, diese neuen Fahrzeuge werden die Situation für Patienten, aber auch für Einsatzkräfte entscheidend verbessern.

Die Zahl der Rettungsdiensteinsätze steigt – seit 2015 um 28 Prozent. Die Zahl der Einsätze, in denen Patienten mit dem Krankenwagen in eine Klinik gebracht werden mussten, ist aber im selben Zeitraum von 73 auf 68 Prozent gesunken. Nicht nur wegen Fehlalarmen. Die meisten Patienten können ausreichend zu Hause versorgt werden. Genau bei diesen Einsätzen kommt das neue Rettungseinsatzfahrzeug, kurz REF, ins Spiel.

Die Fahrzeuge sind technisch und medizinisch genauso ausgerüstet wie Krankenwagen. Sie werden von einem erfahrenen Notfallsanitäter gefahren. Und sie werden angefordert, wenn der Disponent in der Leitstelle erkennt, dass es sich um einen nicht lebensbedrohlichen Einsatz handelt, aber um einen Patienten, der nicht auf den nächsten Hausarzttermin oder Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst warten kann. Zum Beispiel bei Stürzen, bei Hyperventilation oder bei einer beginnenden Unterzuckerung von Diabetikern. Viele dieser Patienten können mit Medikamenten versorgt werden. Die REF-Notfallsanitäter haben weniger Zeitdruck. Weil ihr Einsatz keinen Krankenwagen aus dem Rettungssystem bindet. Sollten sie feststellen, dass der Patient zur Versorgung ins Krankenhaus muss, können sie den Rettungswagen aber anfordern. Für den Patienten entsteht dadurch keine längere Wartezeit. Er wird in jedem Fall zu Hause so lange versorgt, bis er stabil genug für einen Transport in die Klinik ist.

Bisher waren die REFs in Stadt und Landkreis Regensburg als Pilotprojekt im Einsatz. In einer dreijährigen Testphase hat sich laut Augustin herausgestellt, dass in 71 Prozent der Fälle kein Rettungswagen nachalarmiert werden musste. Die Versorgung durch den Notfallsanitäter war ausreichend. „Es kann nicht die Lösung sein, auf immer mehr Einsätze mit immer mehr Rettungswagen zu reagieren“, betonte Robert Augustin. „Es braucht niedrigschwellige Ansätze, um Versorgungslücken zu schließen und gleichzeitig die vorhandenen Rettungswagen für lebensbedrohliche Fälle freizuhalten.“

Mit dem REFs nehme Bayern eine Vorreiterrolle ein. Das Konzept ist bundesweit einmalig. Es wird von der Staatsregierung mit 900 000 Euro gefördert. Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Landtag und Vorsitzender des BRK-Kreisverbands Dachau, sind dankbar für diese Investition. „Sie wird Notärzte und Rettungswagen entlasten, weil sie dort sein können, wo sie dringend gebraucht werden“, sagte Seidenath.

Die neuen sechs Wagen werden künftig für BRK, Malteser und Johanniter in Stadt und Landkreis Regensburg sowie in den Landkreisen Dachau, Rosenheim, Würzburg und Ansbach im Einsatz sein. Nötig seien die Fahrzeuge aber in allen Regionen Bayerns, betonte Bernhard Seidenath. „Das kann ein Quantensprung sein für die Gesundheitsversorgung in Bayern.“KATRIN WOITSCH

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