DAS PORTRÄT

Sie verschenkt ihr Lächeln für schwere Tage

von Redaktion

Mia Rohrbach aus Hohenlinden. © dz

Mia Rohrbach sitzt an ihrem hölzernen Esstisch in Hohenlinden im Kreis Ebersberg und leert einen kleinen Kulturbeutel aus. Schwämmchen, rote und weiße Farbe, Wattestäbchen, Abschminktücher. Viel braucht sie nicht. Eigentlich ist dieser Tisch nicht der Ort, an dem sie sich sonst schminkt. Doch heute macht sie eine Ausnahme. Das Wichtigste fehlt noch: die Nase. „Die Nase aufzusetzen, hat einen gewissen Zauber“, sagt die 41-Jährige. In diesem Moment ist sie nicht mehr nur Mia Rohrbach. Ohne die Nase, sagt sie, sei sie keine richtige Clownin. Seit acht Jahren arbeitet sie als Erika Händlmaier für die KlinikClowns. Insgesamt ist sie seit zehn Jahren als Clownin unterwegs. Der Verein schickt professionell ausgebildete Künstlerinnen und Künstler in Kliniken, Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen, auf Palliativstationen und in Hospize. 76 Clowns sind inzwischen in 124 Einrichtungen im Einsatz, um den Patienten ein Lachen zu schenken.

Vor ihrer Zeit als Clownin war Mia Rohrbach Erzieherin und Sozialarbeiterin. Ihr Lebenslauf verlief nie geradlinig. Mit dem Finger zeichnet sie Linien auf den Tisch, die sich kreuzen. Sie arbeitete als Zirkuspädagogin und tut das bis heute. Einmal pro Woche studierte sie mit Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren Shows ein: Akrobatik, Zauberei, Clownerie. „Ich hatte schon immer einen Hang zur Bühne und zur Manege“, sagt die gebürtige Berchtesgadenerin. Gesungen habe sie, bevor sie laufen konnte. Mit ihren drei älteren Brüdern kannte sie jedes alpenländische Lied. Auch Straßenkünstler faszinierten sie. Ein Pantomime brachte sie einmal so sehr zum Lachen, dass er aus der Rolle fiel.

Der entscheidende Impuls kam während der Flüchtlingskrise. In einer Jugendherberge arbeitete sie mit rund 250 Jugendlichen, die Stimmung war angespannt. Eine Kollegin schlug vor, eine Clownin einzuladen. „Ich fand das erst absurd“, sagt Rohrbach. Doch wenig später saßen alle am Lagerfeuer und sangen Lieder. „Die Clownin hat die Atmosphäre heller gemacht.“ In diesem Moment wusste sie: Das will ich auch. Als Clown müsse man alles können, um es dann schlecht machen zu können, sagt sie und lacht. Fehler seien kein Makel, sondern Teil der Figur. „Man lernt, dass man Fehler machen darf und seine Schwächen zu seinen Stärken machen kann.“ Genau das vermittle sie auch den Menschen, denen sie begegnet. Die Ausbildung zur Clownin ist intensiv. Mia Rohrbach absolvierte zwei sechsmonatige Weiterbildungen und besucht über die KlinikClowns jedes Jahr Workshops. Jeder Besuch ist anders, jede Begegnung neu. Wenn sie ihre Nase abnimmt, ist sie wieder Mia. Doch das, was sie als Erika Händlmaier schenkt, bleibt: ein Lächeln, ein Moment der Leichtigkeit – und manchmal ein Licht in schweren Stunden.SAMANTHA ERNST

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