Eine Flughafenexpress-S-Bahn ist einer der Wünsche der Landräte. © Hoermann/SVEN SIMON
München – Der Münchner MVV befürchtet weiter Verschlechterungen bei der S-Bahn. Das Netz im Bahnknoten München befinde sich „in einem erbärmlichen und überlasteten Zustand“, heißt es in einem Positionspapier der Städte und Landkreise im MVV. Neu ist dabei, dass die 15 Landräte und drei Oberbürgermeister, die das Papier unterzeichnet haben, sich nicht mehr mit der Aussicht auf eine 2. Stammstrecke vertrösten lassen wollen. Diese wird bekanntlich erst im Zeitraum 2035/37 fertig, die Landräte rechnen sogar mit „Ende des nächsten Jahrzehnts“. „Doch so lange können Fahrgäste unmöglich warten“, warnt Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß (CSU) als Sprecher der MVV-Landkreise.
Das Papier ist eine Fortschreibung früherer MVV-Papiere. 2017 hatte der MVV erstmals dargelegt, welche Verbesserungen er sich wünscht und dazu 53 konkrete Ausbauideen gemacht. Darunter sind etwa der Ausbau des S-Bahn-Nordrings, die S7-Verlängerung nach Geretsried, aber auch kurzfristigere Projekte wie etwa ein S-Bahn-Stunden-Takt für Nachtschwärmer auf den Außenästen am Wochenende zwischen 1 und 5 Uhr oder Regional-S-Bahnen bis Kochel, Rosenheim, Augsburg und Pfaffenhofen. Einige Ideen, etwa eine S-Bahn-Neubaustrecke entlang der A8 bis Dasing, wurden mittlerweile als unrealistisch verworfen. Insgesamt 27 Projekte sollen weiter verfolgt werden, bei zwölf Vorschlägen steht ein Gutachten noch aus. 14 wurden gestrichen.
Allerdings haben die MVV-Leute auch einige neue Ideen, die durchaus aufhorchen lassen. So verlangen sie „spätestens mit Zulauf der neuen S-Bahn-Fahrzeuge“ – der ab 2028 geplant ist – die Realisierung einer Flughafenexpress-S-Bahn auf der Strecke der S8. Die Deutsche Bahn hat dies bisher immer als nicht machbar abgelehnt.
Aktuell geht es den Landräten und Bürgermeistern aber um die Abwendung einer Katastrophe. Von der Deutschen Bahn habe man „laufend neue Durchhalteparolen“ gehört, aber kaum Verbesserungen gesehen. Im Gegenteil: „Die nächste Eskalationsstufe ist bereits angekündigt: Einzelne Haltepunkte sollen nicht mehr angefahren werden“ – auf der S2 ist das derzeit (noch bis Ende Mai) zwischen Markt Schwaben und Erding der Fall. „Damit rückt das Horrorszenario in greifbare Nähe, dass ganze Streckenabschnitte wegen Mängeln der Infrastruktur langfristig stillgelegt werden müssen.“ Es dürfe trotz schwieriger Kassenlage „zu keinen Einschnitten beim Verkehrsangebot kommen“. Im Gegenteil: Die Kommunalpolitiker wünschen sich mehr Investitionen. so müsse ein Digitaler Bahnknoten in München kommen.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) hat dem MVV diese Woche Unterstützung zugesichert. Aber: „Langfristig braucht es für entscheidende Verbesserungen substanziell mehr Geld vom Bund.“ Für die MVV-Vorschläge sei „in erster Linie“ aber das S-Bahn-Management gefordert. Die DB InfraGO müsse den Bahnknoten München mit derselben Priorität wie die Hochleistungskorridorsanierung vorantreiben. DIRK WALTER