Viele Bahnhöfe in Bayern sind noch immer nicht barrierefrei. Der VdK kämpft für mehr Teilhabe. © Getty
München – Sechs Wochen vor der Kommunalwahl hat der VdK zehn Forderungen an die Städte und Gemeinden für eine gerechtere Sozialpolitik vorgelegt. „Die Kommunen können sozial gestaltet werden“, betonte Verena Bentele, die VdK-Präsidentin und Landesvorsitzende in Bayern. „Aber dafür braucht es klare Prioritäten und den Mut, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.“
Eine Voraussetzung für soziale und lebenswerte Kommunen ist die Barrierefreiheit, betonte Bentele. Noch immer seien in Bayern nur 38,8 Prozent der Arztpraxen barrierefrei. In Schulen, Kitas, Rathäusern oder im Internet sehe es nicht viel besser aus, betonte Bentele. Das müssten alle Kommunen angehen. Barrierefreiheit solle außerdem eine Bedingung für Fördergelder sein. Auch bei der Inklusion gebe es noch viel zu tun. Der VdK fordert den Ausbau inklusiver Schulen und Kitas. „Kommunen müssen eine Vorbildfunktion übernehmen und mehr Menschen mit Behinderung einstellen.“ Bisher liegt der Prozentsatz bei 6,6 – etwas über der Pflichtquote. „Aber da ist noch viel Luft nach oben.“ Mehr Teilhabe für alle würde aus ihrer Sicht gelingen, wenn Städte und Gemeinden Inklusions- und Behindertenbeiräte einrichten.
Der Forderungskatalog des Sozialverbands umfasst ein großes Spektrum an Themen (nachzulesen unter by.vdk.de/kommunalwahl2026). Dazu zählen die Förderung des Ehrenamts, seniorengerechte Lebensräume mit mehr Möglichkeiten zur Teilhabe, Hitzeschutz in den Kommunen oder eine bessere Vernetzung der Gesundheitsangebote. Ein großes Anliegen ist Bentele das Thema bezahlbares Wohnen. „Es ist eine der größten sozialen Fragen unserer Zeit geworden.“ 11,9 Prozent der bayerischen Haushalte gelten als mit Wohnkosten überlastet. Sozialwohnungen fehlen, Neubauten seien für viele Menschen unbezahlbar. Bentele fordert Städte und Gemeinden auf, den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbau deutlich auszubauen. Außerdem müssten sie Wohnberatungsstellen einrichten. Ein weiteres großes Anliegen ist ihr die Mobilität. „Wir fordern einen flächendeckenden, barrierefreien und verlässlichen öffentlichen Nahverkehr in Stadt und Land.“ Niemand dürfe finanziell ausgeschlossen werden, der VdK plädiert deshalb für Sozialtickets und bezahlbare Fahrpreise. „Wenn Bund und Länder es nicht hinbekommen, müssen die Kommunen eben mit gutem Beispiel vorangehen.“
Der VdK spricht inzwischen für 6,4 Prozent der Menschen in Bayern. Im Oktober haben die Mitgliederzahlen die 850 000-Marke geknackt, wie der Landesgeschäftsführer Michael Pausder berichtet. Damit ist die Anzahl der Mitglieder inzwischen fast viermal so hoch wie die der größeren bayerischen Parteien zusammen. KWO