Handys an Schulen: „Verbieten ist keine Lösung“

von Redaktion

Experten-Diskussion um Jugendliche und den Umgang mit Sozialen Medien bei den Bildungstagen München

Handy im Klassenzimmer: „Ablenkungspotenzial“.

München – Es ist ein Thema, das Eltern wie Lehrer bei den Bildungstagen München, wo sich traditionell bayerische Schulen vorstellen, gleichermaßen beschäftigt: Als der Augsburger Bildungsforscher Klaus Zierer seinen Vortrag zum Thema „Wie Smartphone und Co. der Bildung unserer Kinder schaden“ beginnt, ist der Saal vollbesetzt. Der Schulpädagoge ist ein Kritiker der „Zwangsdigitalisierung“, also der flächendeckenden Ausstattung der Schulen mit Tablets. Zudem ist er Verfechter eines strikten Social-Media-Verbots bis 16 Jahre (wir berichteten).

Zierer begründet seine Haltung mit mehreren Studien. Da ist das immer schlechtere Abschneiden deutscher Schüler bei den Pisa-Studien, da ist die durchschnittlich tägliche Online-Zeit von fast vier Stunden, in denen Jugendliche vor allem Soziale Medien nutzen. Und da ist, befeuert durch den Medien-Konsum, der Anstieg von psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen, die immer mehr unter Schlaflosigkeit und Depressionen leiden.

Aus dem Klassenzimmer würde der Forscher die Smartphones aufgrund des wissenschaftlich belegten „enormen Ablenkungspotenzials“ am liebsten komplett verbannen. Die Schüler, so sein Vorschlag, könnten die Telefone vor dem Zimmer in einer „Garage“ parken. Älteren Schülern ab 16 Jahren würde er an Schulen eine halbe Stunde gewähren, in denen sie an einem bestimmten Ort Soziale Medien nutzen dürften. „So würden sie ein gewisses Maß an Selbstregulierung erlernen.“

Die Lehrerin Catherine Wei würde sich über ein Socia-Media-Verbot freuen. Sie habe mit ihrem 15-jährigen Sohn sehr oft Diskussionen darüber, wie oft und wie lange er die verschiedenen Angebote nutze. „Eine Regulierung würde hier helfen und auch Druck von den Jugendlichen nehmen, immer und überall in den Sozialen Medien präsent sein zu müssen.“

In einem zweiten Vortrag zum Thema spricht sich Rüdiger Hoff, Schulleiter des Internats Birklehof, dafür aus, Jugendlichen mehr Verantwortung zu geben, auch im Umgang mit Smartphones. „Nur verbieten ist keine Lösung“, sagt er. Stattdessen müsse man Alternativen bieten. Hier setzt der Schulleiter vor allem auf Begleitung und „echte Erlebnisse“, auf Kanu-Touren und mehrtägige Wanderungen, ganz ohne Handy. Er erzählt von Neuntklässlern, die freiwillig eine Woche auf digitale Medien verzichteten. Vorausgegangen waren Diskussionen zum Thema und eine entsprechende Klassenlektüre. Aber auch Hoff spricht sich für eine starke Regulierung aus. Im Birklehof bekommen Schüler der Unterstufe ihre Handys nur für eine Stunde am Tag ausgehändigt und müssen sie dann wieder abgeben. OSS

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