Eine junge Frau wird auf die Blutspende vorbereitet. © Astakhov/Getty
München – In dieser Jahreszeit macht Patric Nohe noch engagierter Werbung als sonst. Feiertage, Kälteeinbruch und Krankheitswellen führen im Winter schnell dazu, dass die Zahl der Blutspenden spürbar zurückgeht. In vielen Bundesländern ist das bereits so – Bayern ist bisher gut durch den Winter gekommen. „Wir haben aktuell keinen Engpass“, sagt Nohe, Sprecher des Blutspendedienstes vom BRK. Aus Erfahrung weiß er aber: Verschneite, glatte Straßen führen schnell zu Terminausfällen.
Und Blutpräparate halten nur 42 Tage. Daher kann der Blutspendedienst keinen großen Vorrat bis hinein in den Sommer ansammeln. Deshalb braucht der Blutspendedienst Menschen, die regelmäßig spenden. „Die Blutspendetermine müssen weiterhin hoch ausgelastet sein. Bei Wind und Wetter“, sagt Nohe. Er appelliert: Wenn es keine freien Termine gibt, dann drei bis vier Wochen später noch mal versuchen. Damit die Kliniken gar nicht erst in einen Notstand hineinrutschen.
Allein in Bayern gibt es nämlich tausende Menschen, die ohne fremdes Blut keine Überlebenschance hätten. Krebspatienten brauchen das meiste Blut, gefolgt von Menschen mit Herz- beziehungsweise Magen-Darm-Erkrankungen. Und natürlich Unfallopfer. Langzeitspender werden allerdings immer weniger – auch in Bayern, wo pro Tag täglich 2000 Blutkonserven gebraucht werden. Deutschlandweit sind es sogar 15 000. Das sind etwa elf Spenden pro Minute. Bundesweit spenden aber nur rund drei Prozent der Bevölkerung Blut. Die Stammspender werden immer älter. Die jungen spenden zwar auch – aber es müssten mehr sein. Auch hier sorgt der demografische Wandel für Herausforderungen.
„Die Menschen mit der höchsten Spendefrequenz sind die Babyboomer“, sagt Nohe. Zwar ist vor drei Jahren die Altershöchstgrenze weggefallen, aber: „Wer zum Beispiel im Alter Blutverdünner wegen einer Erkrankung einnehmen muss, fällt als Spender aus.“ Deshalb wirbt das Deutsche Rote Kreuz gezielt um junge Blutspender unter anderem mithilfe von Social-Media-Kampagnen. „Jede Generation braucht ihre eigenen Blutspender“, sagt Nohe.
Menschen mit Blutgruppe 0 sind übrigens Universalspender und deshalb für die Notfallmedizin besonders wichtig. „Denn die Zeit ist nicht immer da, um die Blutgruppe zu ermitteln“, sagt Nohe. Besonders an der Blutgruppe 0 ist, dass die roten Blutkörperchen keine Antigene auf ihrer Oberfläche tragen. Dadurch wird das gespendete Blut vom Immunsystem des Empfängers nicht als fremd erkannt. Das bedeutet aber nicht, dass andere Spenden weniger wichtig sind, betont Nohe. „Jede Blutspende wird gebraucht.“ FRANZISKA WEBER