Einer von vielen prominenten Gästen: Altkanzler Gerhard Schröder bei Bernhard Winters Sonntagsbegegnung im Jahr 2015. © Dziemballa
Markt Schwaben – Bernhard Winter (72) war SPD-Bürgermeister in Markt Schwaben (Kreis Ebersberg), aber dass er die Namen sehr vieler Promis in seinem Telefonbuch hat, liegt nicht unbedingt daran. Winter hat vor 33 Jahren eine Gesprächsreihe gegründet, die Sonntagsbegegnungen. Das Format hieß im Lauf der Jahre immer mal wieder anders, aber das Konzept war immer gleich. Meistens zwei Dialogpartner, meistens mit unterschiedlichen Ansichten, sprachen vor Publikum. Doch nach 125 Sonntagsbegegnungen ist Schluss. Am Sonntag findet die letzte statt.
Herr Winter, wie kam es zur ersten Sonntagsbegegnung?
Ich bin 1991 auf einer Tagung in Wildbad Kreuth mit Bundestagsvizepräsidentin Renate Schmidt ins Gespräch gekommen. Sie wurde mein erster Gast. Damals kam der Begriff der Politikverdrossenheit auf, wir wollten etwas dagegensetzen: eine Dialogform mit glaubwürdigen Menschen, mit bodenständiger Sprache, ohne Moderator, einem Publikum aus allen Lebensbereichen.
Unter Ihren Gästen waren hochkarätige Promis. Wie sind Sie an die rangekommen?
Zum Beispiel auf den Buchmessen oder im Münchner Presseclub. Ich bin auf für mich spannende Menschen zugegangen und habe ihnen den Flyer mit den Namen, die bisher bei mir waren, in die Hand gegeben. Wichtig war, dass die Dialogpartner neugierig aufeinander sind. Rita Süßmuth und Gesine Schwan zum Beispiel haben sich bei mir kennengelernt. Ich bin freundlich, aber auch zäh und habe schon mal nachgesetzt. Alle Gäste waren ohne Honorar da, viele sind mehrmals gekommen.
An wem haben Sie sich die Zähne ausgebissen?
Campino von den Toten Hosen hat mir zugesagt, das ist dann nichts geworden. Alle anderen, die ich eingeladen habe, waren da: von Cem Özdemir und Gregor Gysi über Sandra Maischberger, Gerhard Polt und Nina Ruge bis zu Thomas Hitzlsperger, Margot Käßmann und Bernhard Schlink.
Warum hören Sie jetzt auf?
Die letzten Jahre fand alle paar Monate eine Sonntagsbegegnung statt, auch in Berlin, Bielefeld, Erding, im Chiemgau waren wir jeweils mehrfach zu Gast. Alles hat seine Zeit, inzwischen gibt es uns 33 Jahre: 25 000 Gäste und 257 Dialogpartner. Hans-Jochen Vogel hat die Reihe als Schirmherr begleitet, er war 15 Mal dabei – mit dem Benediktiner Anselm Grün, mit Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier, mit dem Unternehmer Claus Hipp. Besonders berührend war sein Austausch mit Dieter Hildebrandt über das Altwerden. Weil Vogels 100. Geburtstag kurz nach der Jubiläumsbegegnung ist, widmen wir ihm unsere letzte Veranstaltung. Besonders freue ich mich, dass dabei Schüler Texte von ihm lesen: aus dem Buch „Deutschland aus der Vogelperspektive“, in dem er zusammen mit seinem Bruder von der deutschen Geschichte seit 1945 erzählt.
Was machen Sie künftig mit Ihrer freien Zeit?
Ich mache weiter Lesereisen und trage Texte aus meinen Büchern, aber auch Gedichte und Balladen alter Meister vor. Besondere Freude macht mir das Lese-Projekt mit einer Grundschule. In meiner psychotherapeutischen Praxis, aber auch politisch bleibe ich wach und aktiv: Ich habe sechs Enkel und möchte, dass es denen in der Zukunft gut geht. Deshalb kandidiere ich im März für den Markt Schwabener Gemeinderat. Zunächst liegt die Jubiläums-Sonntagsbegegnung vor mir. Ich bin zwar in der Mitte des Ganzen. Möglich wurde alles aber nur, weil es Menschen gibt, die mich unterstützen.