Vorsorgeuntersuchungen gehören für viele zum Alltag. Wir lassen Herz, Haut oder Darm regelmäßig checken. Doch ein Organ bleibt dabei oft außen vor: unser Gehirn. Dabei zeigen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, unter anderem aus der renommierten „Lancet“-Studie, dass wir mehr für unsere Gehirngesundheit tun können, als lange angenommen.
Das beginnt mit Dingen, die auf den ersten Blick banal wirken. Etwa mit dem Gehör. Was viele nicht wissen: Ein unbehandelter Hörverlust erhöht das Risiko, an Demenz zu erkranken. Studien zeigen, dass bereits der Einsatz eines Hörgeräts dieses Risiko senken kann. Auch soziale Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Einsamkeit gilt als relevanter Risikofaktor – deshalb empfehlen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, geistig und sozial aktiv zu bleiben und psychische Erkrankungen wie Depressionen ernst zu nehmen und behandeln zu lassen. Denn auch sie können das Demenzrisiko erhöhen.
Zu den gut belegten Risikofaktoren zählen außerdem anhaltender Stress und dauerhafte Überlastung. Besonders betroffen sind hier pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz. Die Verantwortung in der Begleitung ist groß, der Alltag fordernd, Pausen und Zeit für sich selbst kommen häufig zu kurz. In der Begleitung von pflegenden Angehörigen sehe ich immer wieder, wie die eigenen Bedürfnisse oft über Jahre hinweg in den Hintergrund rücken. Dabei ist das persönliche Wohlbefinden ein wesentlicher Schutzfaktor für die eigene Gesundheit.
Selbstfürsorge sollte daher kein Luxus sein, sondern ein zentraler Bestandteil von Prävention. Sie schützt nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern stärkt auch die mentale Stabilität. Schon kleine Schritte können helfen: wahrnehmen, was guttut, und ernst nehmen, was dauerhaft erschöpft. Und wenn man merkt, dass man aus dem Gleichgewicht gerät, ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen – etwa durch psychosoziale Beratung, Coaching oder den Austausch mit anderen Betroffenen.
Wie wertvoll dieser Austausch sein kann, schilderte kürzlich Prof. Dietrich Grönemeyer in unserem Desideria Podcast. Er berichtete von seinen eigenen Erfahrungen in der Begleitung seiner an Demenz erkrankten Eltern und seiner Tante. In besonders belastenden Phasen, so erzählt er, habe ihm vor allem der Austausch mit anderen Angehörigen geholfen. Man könne noch so viele Bücher lesen – wirklich stärkend sei das Gespräch von Angehörigen zu Angehörigen, von Menschen, die wissen, wie es sich anfühlt.
Die Forschung macht Mut. Auch wenn sich nicht jedes Risiko vermeiden lässt und Veränderungen im Alltag nicht immer leicht umzusetzen sind, haben wir Einfluss auf unsere Gehirngesundheit. Prävention beginnt manchmal einfach damit, gut für sich selbst zu sorgen und den Mut zu haben, Unterstützung anzunehmen.
*Désirée von Bohlen und Halbach ist Gründerin und Vorstandsvorsitzende des Desideria e.V.