Die Musik spielt tief im Wald

von Redaktion

Landesausstellung heuer in Freyung – nur wie kommt man da eigentlich hin?

Lange Anreise: Der Weg von München nach Freyung – mit Bus und Bahn ein Abenteuer.

Die Rolling Stones gibt es in der Ausstellung auch als Marionetten.

Fester Bestandteil bayerischer Musikkultur: Schuhplattler, hier auf einem Bild Hubert von Herkomers 1875. © HdbG (2)

München/Freyung – Versprochen wird ein „Festival bayerischer Klänge, Rhythmen und Melodien“, ein Klangerlebnis erster Güte, eine musikalische Zeitreise „quer durch alle Zeiten und Genres“. Allerdings verspricht auch die ganz profane Anreise zur neuen diesjährigen Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern“ zumindest aus der Münchner Perspektive diesmal ein Erlebnis ganz eigener Art: Sie findet nämlich in Freyung tief im Bayerischen Wald statt. Abgelegener geht es kaum. Der Routenplaner verspricht mit dem Auto eine Fahrt von zwei- bis dreieinhalb Stunden, je nach Verkehrslage. Und wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren will, Bahn und/oder Bus, der hat sich etwas vorgenommen.

Doch der Reihe nach. Freyung im Dreiländereck Deutschland, Österreich und Tschechien, mit gerade mal 7000 Einwohnern stolze Kreisstadt des Landkreises Freyung-Grafenau, hat musikalisch einiges zu bieten. Der Deutsche Musikrat hat die Stadt jüngst als „Landmusikort für herausragende Musikkultur im ländlichen Raum“ ausgezeichnet. Ein frisch renoviertes Gebäude namens TonYversum bietet beste Voraussetzungen für eine Musik-Ausstellung. Von Gregorianischen Chorälen aus Klöstern über Musik der Reichsstädte bis zu höfischen Opern, von den Bayreuther Festspielen bis zu den Münchner Wirtshausbühnen reicht der musikalische Reigen, den die Ausstellungsmacher vom Haus der Bayerischen Geschichte um Richard Loibl bieten wollen. An jedem der 199 Ausstellungstage gibt es Livemusik – Konzertsäle, Kirchen, Kleinkunstbühnen, Plätze und sogar Waldlichtungen werden beschallt. Wenn man denn den Weg nach Freyung findet. „Für uns ist es wichtig, die Bayerischen Landesausstellungen in allen Landesteilen durchzuführen, auch wenn sie manches Mal verkehrstechnisch nicht ganz leicht erreichbar sind“, heißt es dazu von der Pressestelle. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die meisten Besucher eh mit dem Auto anreisen.

Wer es dennoch mit der Bahn probieren will, der fährt dahin, wo Bayern Schienenentwicklungsland ist. Die erste Etappe München–Passau ist mit dem RE3 und einer Fahrzeit von 2:15 Stunden noch gut zu bewältigen. Danach wird‘s leider schwierig. Es gibt einen Bus 100, der nach Freyung in sportlichen 54 Minuten hochjettet – 33 Haltestellen inklusive. Oder man probiert es mit der Bahn.

Tatsächlich, das geht. Die private Ilztalbahn bietet zwischen 1. Mai und 18. Oktober immerhin an Wochenenden und Feiertagen Zugverkehr an. Das deckt sich immerhin fast mit der Dauer der Ausstellung, die vom 25. April bis 8. November läuft. Vier Verbindungen hin und zurück täglich bietet die Ilztalbahn an. Allerdings: Die 50 Kilometer lange Strecke wird in circa 1:20 Stunden bewältigt. Dann wäre man also nach knapp vier Stunden in Freyung. Umsteigezeiten nicht mit berechnet. Und der Ausstellungsbesuch und die Rückfahrt stehen ja auch noch an.

Schneller geht‘s leider nicht, denn: Wie so viele wurde auch diese einstige beschauliche Lokalbahn entlang der idyllischen Ilz einst Opfer einer der vielen Bahnreformen. Der reguläre Bahnverkehr nach Freyung existiert seit 1982 nicht mehr. Das Bahnhofsgebäude ist verkauft und gehört heute einem Versicherungsmakler, erzählt Hermann Schoyerer vom Verein Ilztalbahn. „S-C-H-O-Y-E-R-E-R“, buchstabiert er, nicht dass er noch mit Scheuer, Andreas verwechselt werde. Das will er auf keinen Fall. Hermann Schoyerer also berichtet, dass der Verein die Bahnstrecke „vor dem Herausreißen“ bewahrt hat. Dass sie alles selber machen. Streckeninspektion, Zugabfertigung, Fahrkartenverkauf. „Wir erfüllen alle gesetzlichen Vorgaben.“ Und dass sie mit der Landesausstellung zusammenarbeiten wollen, Livemusik im Zug anbieten zum Beispiel.

Hermann Schoyerer könnte noch lange über seine Ilztalbahn erzählen. Aber wir wollen ja über die Ausstellung berichten, über die „musikalische Entdeckungsreise“ tief im Bayerischen Wald. Musik kennt laut Ausstellungs-Werbetext ja „keine Grenzen“ – sofern man die Anreise außer Acht lässt.DIRK WALTER

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