DAS PORTRÄT

Drei Freunde auf Pilgerreise

von Redaktion

Gruppenfoto in Assisi: Die Pilger Fred Haller (v.l.), Richard Stieglbauer und Peter Wolfrum. © epd

Peter Wolfrum (69), Richard Stieglbauer (57) und Fred Haller (58) aus dem Rottal sind engagierte Christen – auf drei verschiedenen Glaubenswegen. Wolfrum ist evangelisch, Stieglbauer katholisch und Haller gehört mit dem Dritten Franziskanischen Orden einer Freikirche an. Weil Wolfrum als Prädikant in seiner evangelischen Gemeinde in Pfarrkirchen Pilgertage organisiert, hat er Stieglbauer 2022 auch beim Pilgern kennengelernt. Mit Haller aus Eggenfelden kam er bei einem Passionsspiel in Pfarrkirchen zusammen, als beide Darsteller waren. Den Franziskusweg wollten die drei Freunde dann zusammen meistern.

Auf dem Abschnitt von Gubbio über Assisi bis nach Spoleto legten die drei in sechs Etappen etwa 110 Kilometer zurück. Was sie 2024 erlebten, haben sie in einem Buch festgehalten. Es erzählt von malerischen Landschaften, historischen Plätzen und Klöstern – und von ihren Diskussionen. Über gläubiges Leben, Beten, den Umgang mit Besitz, das evangelische Abendmahl und die katholische Eucharistie sowie über die Frage, warum Gott Krankheit und Leid zulässt, den Tod und was danach kommt, die Zehn Gebote und den Heiligen Geist. Wolfrum bedauert etwa, „wenn Rituale und Regeln sich in ihrer Bedeutung so stark auswachsen, dass sie den Blick auf Jesus verstellen und zum Selbstzweck verkommen“. Stieglbauer sieht andere Konfessionen als „Bereicherung“: „Deren Glaubensleben, Rituale und Ansichten zeigen mir oft einen anderen Blickwinkel.“

Was die drei Pilger entdeckten, ist eine „Ökumene des Herzens“, schreibt der frühere Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Vorwort des Buches „Stehenlassen und weitergehen“. Konfessionelle Verschiedenheiten innerhalb der „einen Kirche Jesu Christi“ seien „Spaltungen, an die wir uns viel zu sehr gewöhnt haben“. Dabei sei der biblische Auftrag zur Einheit der Kirche ja eindeutig, so der Theologe weiter. Gemeint sei eine Haltung, „wichtig zu nehmen, was der andere aufrichtig glaubt, will und tut“. GABRIELE INGENTHRON

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